Stellenanzeige

Wie bewerbe ich mich richtig? – Teil 3: Die Stellenanzeige richtig lesen

In unserer Serie „Wie bewerbe ich mich richtig?“ erfährst Du alles zum Thema Bewerbung und Jobwahl – von der Frage „Was will ich überhaupt?“ über das perfekte Bewerbungsbild bis hin zum Vorstellungsgespräch.

 

Eine Stellenanzeige richtig zu lesen klingt einfach? Ist es auch – wenn Du auf ein paar Formulierungen achtest und Dich nicht durch Phrasen verunsichern lässt. Die meisten Stellenanzeigen sind grob in fünf Teile gegliedert:

„Wer wir sind …“:

Hier beschreibt sich das Unternehmen selbst. Wenn Du diesen Teil aufmerksam liest, kann er Dir schon einiges über Deinen potenziellen Arbeitgeber verraten.

„Wir suchen …“:

Hier steht die Bezeichnung der Stelle. Lass Dich von hochtrabenden englischen Bezeichnungen nicht einschüchtern. Nicht alles, was groß und schwierig klingt, ist es auch. Und nicht jeder „Manager“ hat überhaupt Teamverantwortung, geschweige denn, dass er die Geschicke der gesamten Firma lenkt. Beispielsweise ist ein „Incoming and Outgoing Correspondence Managing Director (m/w)“ einfach für die Poststelle zuständig.

„Wir erwarten …“:

Hier listet das Unternehmen die Fähigkeiten und Eigenschaften auf, die sein Idealbewerber mitbringen sollte. Aber keine Angst, nicht alles, was hier steht, wird wirklich vollumfänglich gefordert. Personalexperten empfehlen, sich bereits zu bewerben, wenn Du 60% der Anforderungen erfüllst. Denn nicht jede Anforderung ist ein Muss, es gibt auch Kann-Voraussetzungen in Stellenanzeigen. So kannst Du sie unterscheiden:

Formulierungen für MUSS-Voraussetzungen

(z.B. Schulabschluss, fachliche Fähigkeiten)

  • „…wird vorausgesetzt…“ / „…wird erwartet…“ / „Wir erwarten…“
  • „…unbedingt notwendig…“
  • „…nur berücksichtigt, wenn…“
  • „Sie haben…“ / „Sie bringen mit…“
  • „Erforderlich sind…“ / „Voraussetzung sind…“
  • „Gesucht werden Bewerber mit…“
Formulierungen für KANN-Voraussetzungen

(z.B. praktische Erfahrung)

  • „Idealerweise…“
  • „…wären von Vorteil.“
  • „…wünschenswert.“
  • „…gerne auch Erfahrungen mit…“
  • „Bevorzugt werden Bewerber…“
  • „Wenn Sie zusätzlich … mitbringen

 

Was genau die geforderten Eigenschaften bedeuten, ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Ein paar der häufigsten und ihre Bedeutung haben wir für Dich zusammengestellt:

  • Belastbarkeit: Kann darauf hinweisen, dass es häufiger zu stressigen Phasen mit vielen Überstunden kommen kann.
  • Eigenverantwortung: Bedeutet in der Regel, dass Du von Anfang an bereits sehr eigenständig arbeitest. Wenn Du schnell lernst und gerne Verantwortung trägst, ist das vielleicht der richtige Job für Dich. Geht häufig einher mit Organisationstalent: Zu Deinen Aufgaben gehört es, die sprichwörtlichen fünf Bälle gleichzeitig zu jonglieren und den Überblick zu behalten.
  • Flexibilität: Dich erwartet ein sich häufig ändernder Aufgabenbereich. Kann auch im Sinne zeitlicher oder mobiler Flexibilität gemeint sein. Siehe Mobilität.
  • Kommunikative Fähigkeiten: Hier sind diplomatisches Geschick und eine offene, kommunikative Art gefragt. Ebenso wie bei Teamfähigkeit.
  • Kreativität: Entweder Du hast Dich auf einen kreativen Job wie Grafiker oder Designer beworben – dann ist das Grundvoraussetzung. Oder Du wirst bei diesem Unternehmen ständig vor neuen Herausforderungen stehen und musst dafür Lösungen finden. Wird manchmal auch nur verwendet, um den Job attraktiver klingen zu lassen.
  • Mobilität: Heißt nichts anderes als: Du wirst viel unterwegs sein. Ist nahezu gleichbedeutend mit „Reisebereitschaft“.

„Wir bieten …“:

Das ist die Stelle, an der das Unternehmen versucht, den Job schmackhaft zu machen. Hier solltest Du gut auf die Formulierungen achten. „Entwicklungsmöglichkeiten“ zum Beispiel weisen auf gute Aufstiegsmöglichkeiten hin, können aber auch auf eine hohe Fluktuation hindeuten, in der alle Mitarbeiter aufsteigen, die nur lange genug durchhalten. Hat ein Unternehmen „flache Hierarchien“, arbeiten die Angestellten dort in der Regel sehr eigenverantwortlich. Wirbt es mit einem „jungen Team“, kann das entweder auf ein wirklich junges Unternehmen hindeuten oder darauf, dass dieser Arbeitgeber nur Sprungbrettfunktion hat, weil es dort niemand lange aushält und die Gehälter unterdurchschnittlich sind. „Innovative Unternehmen“ erwarten ein hohes Maß an neuen kreativen Ideen und die Fähigkeit, schnell Lösungen parat zu haben.

„Wir bitten um …“:

Obwohl dieser Absatz ganz hinten steht, ist er besonders wichtig für Deine Bewerbung. Hier erfährst Du, wie und wo genau Du Dich für die ausgeschriebene Stelle bewerben kannst. Auch die Bewerbungsfrist findet sich meist hier, ebenso wie die Kennziffer für die Stellenausschreibung. Der hier genannte Ansprechpartner ist in der Regel auch der Adressat für Deine Bewerbung. Tipp: An die Angaben und Anforderungen, die Du hier findest, solltest Du Dich unbedingt halten!

Alles verstanden?

Wenn Du Dich nun durch den Phrasendschungel der Stellenanzeige gearbeitet hast, solltest Du die dort gelisteten Aufgaben analysieren und mit Deinen bisherigen Erfahrungen abgleichen. Die wichtigste Frage ist: Hast Du schon etwas Vergleichbares gemacht, anhand dessen Du unterstreichen kannst, dass Du für die Stelle geeignet bist? Das brauchst Du, um später ein korrektes Anschreiben formulieren zu können.

Stellst Du fest, dass Du etwas nicht verstehst, frag die in der Stellenanzeige angegebene Kontaktperson. Aber stell keine unnötigen, sich selbst erklärenden Fragen, da das einen negativen Eindruck hinterlassen könnte! Interesse zu zeigen, kann Dir dagegen bereits erste Pluspunkte bei der Personalabteilung verschaffen.

 

Wie genau Deine Bewerbungsunterlagen aussehen sollten, erfährst Du im nächsten Teil der Serie.

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