Weihnachtsmärkte in Deutschland

Weihnachtsmärkte in Deutschland: Lokal schmeckt´s am besten

Alle Jahre wieder startet mit dem ersten Advent auch die Weihnachtsmarktsaison – und das höchst erfolgreich: rund 270 Millionen Besucher zählen Weihnachtsmärkte in Deutschland jedes Jahr. Wer genau sich tagtäglich zwischen Glühweinständen, geschmückten Tannenbäumen und Bratwurstgrills tummelt, haben nun die IUBH-Professoren Linda Schnorbus und Felix Wölfle in einer aktuellen Studie untersucht.

 

In eurer Studie habt ihr gemeinsam mit euren Studierenden aus der Tourismuswirtschaft über 1000 Weihnachtsmarktbesucher zu ihrem Besucherverhalten befragt. Warum wolltet ihr mehr über die Besucherströme herausfinden? 

Linda: Weihnachtsmärkte sind in den meisten deutschen Städten fester Bestandteil des Brauchtums in der Adventszeit und ein Highlight im Veranstaltungskalender. Sie vermitteln den Gästen eine vorweihnachtliche Stimmung und sorgen für wichtige Umsätze bei den Markthändlern und im angrenzenden städtischen Einzelhandel. Die Besucherstruktur scheint häufig einen Bevölkerungsquerschnitt darzustellen. Das wollten wir genauer wissen.

Und was hat eure Besucherbefragung ergeben?

Linda: Zunächst einmal konnten wir so zeigen, dass sich auf den Weihnachtsmärkten in Deutschland vorrangig lokale Gäste tummeln: 58 Prozent haben einen Anreiseweg von unter 50 km; nur 15 Prozent reisen aus mehr als 250 km Entfernung an. Ausnahmen bildeten die Märkte in Münster und Köln. An diesen ohnehin sehr beliebten Tourismusdestinationen reiste mehr als die Hälfte der Besucher von weiter weg, d.h. von mehr als 50 km Entfernung, an.

Felix: Außerdem sind die meisten Besucher gleich mehrmals jährlich auf ihrem Markt vor Ort unterwegs. Weil also ein Bummel über den lokalen Weihnachtsmarkt für die meisten Deutschen zur Adventszeit dazu gehört, könnten Kommunen aus unseren Ergebnissen ableiten, dass Weihnachtsmärkte keine zusätzlichen, aufwendigen Werbemaßnahmen notwendig zu haben scheinen. Die Durchführung solcher Märkte in der Adventszeit ist inzwischen in ein bundesweites Brauchtum übergegangen, so dass das Besuchen von Weihnachtsmärkten für viele Menschen hierzulande per se zum festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit gehört.

Was macht die Weihnachtsmärkte so anziehend?

Linda: Unsere Studie zeigt, dass Weihnachtsmärkte für die meisten Besucher soziale Events sind: Nur 3 Prozent unserer Befragten gaben an, allein den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Die große Mehrheit verabredet sich dort mit anderen Menschen, um bei Glögg (skandinavischem Glühwein) und gebrannten Mandeln die Adventszeit zu zelebrieren.  42 Prozent sind in Begleitung von Freunden, 25 Prozent mit dem Partner und 22 Prozent mit der Familie vor Ort.

Felix: Aufgrund des sozialen Charakters des Besuchs hat es uns nicht verwundert zu sehen, dass die Gastronomie das meist genutzte Angebot auf den Weihnachtsmärkten darstellt. Ihr Geld geben die Besucher also am liebsten für Glühwein, Bratwurst und Co aus.

Weihnachtsmärkte sind natürlich auch für das lokale Weihnachtsgeschäft von hoher Bedeutung. Sind die Besucher spendabel oder halten sie ihr Geld eher zusammen?

Felix: Die Tagesausgaben des typischen Weihnachtsmarktbesuchers liegen bei 25 bis 49 Euro. Das klingt erst einmal nicht extrem hoch. Wenn man aber das enorme Besucheraufkommen berücksichtigt, bescheren auch die relativ geringen Tagesausgaben der einzelnen Besucher vielen Marktkaufleuten, aber auch dem marktnahen Einzelhandel, gute Umsätze. Die Weihnachtsmärkte bleiben daher wichtige Einnahmequellen im Vorweihnachtsgeschäft.

Die Besucher sprudeln, die Einnahmen auch… also alles paletti mit dem Weihnachtsmarktangebot in Deutschland?

Linda: Naja, fast. Einen Automatismus über andauernde Besucherströme sollten die Kommunen nicht erwarten. Weihnachtsmarktbesucher nannten uns auch immer wieder Unzufriedenheiten, allen voran was das Rahmenprogramm und die Preise der Speisen anging. Eine Außerachtlassung solcher Besucherwahrnehmungen könnte ein Abwandern auf andere Märkte zur Folge haben – insbesondere in Ballungsgebieten, in denen viele Weihnachtsmärkte um die Gunst der Besucher buhlen. Unsere Besucherbefragungen können also Veranstaltern dabei helfen, wichtige Trends und Stimmungen zu erkennen. Dann klappt´s auch wieder mit dem Budenzauber im nächsten Jahr!

 

Die beiden Professoren Linda Schnorbus und Felix Wölfle lehren beide Tourismuswirtschaft an den IUBH Standorten in Frankfurt und Düsseldorf. Sofern sie nicht gerade für ihr Forschungsprojekt Weihnachtsmärkte besuchen, freuen sie sich am meisten über das Bummeln und nette Stunden mit Freunden auf den hiesigen Märkten.

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