My Family during one of the Simbang Gabi

„Weihnachten auf den Philippinen ist ganz anders“

An der IUBH studieren internationale Studierende aus über 110 verschiedenen Ländern. Zur Adventszeit haben wir einige von ihnen nach den Weihnachtstraditionen ihrer Heimatländer gefragt.

Ich sitze im herbstlichen Berlin und höre mir zur Inspiration für meinen Artikel über Weihnachtstraditionen auf den Philippinen ein paar Weihnachtslieder an. Dann fällt mir plötzlich die Zeile eines bekannten Weihnachtsliedes auf: „I’m dreaming of a white Christmas, just like the ones I used to know.“ Ich halte inne und grüble…

Ich als Philippina, die ihr ganzes bisheriges Leben in einem tropischen Land verbracht hat, habe nie weiße Weihnachten kennengelernt. Ich habe nie weiße Gehwege und verschneite Bäume gesehen. Ich habe nie schwere Winterkleidung, Mäntel oder Stiefel getragen. Ich habe nie gespürt, wie kalt Minustemperaturen sind. Aber obwohl wir jungen Philippinen oder „kabataan“, wie wir in unserer Sprache heißen, diese Dinge nie selbst gesehen haben, kennen wir diese magischen weißen Weihnachten aus Filmen und Liedern ausländischer Künstler, von Postkarten oder in Facebook-Posts von Familie und Freunden. Und das hat das Bild des „perfekten Weihnachten“ im Kopf jedes Philipinos maßgeblich geprägt.

Als ich nach Deutschland kam, habe ich mich sehr auf dieses perfekte Weihnachten gefreut. Ich fand in meinen ersten Wochen die philippinische Gemeinde hier in Berlin. An Sonntagen gehe ich in die katholische Kirche, und da ich sehr wissbegierig in punkto Weihnachten bin, bringe ich das Thema dort normalerweise auf. Alle Menschen, die ich gefragt habe, antworteten mir mit der berühmten philippinischen Zeile Iba pa rin ang Pasko sa Pinas“ – das heißt so viel wie „Weihnachten auf den Philippinen ist ganz anders“ und lässt uns Philipinos in Erinnerungen an das meisterwartete Fest unseres Heimatlandes schwelgen.

Das aufwändigste Weihnachten der Welt

Laut CNN-Artikel „The Philippines shows the world how to celebrate Christmas“ sind die Weihnachtsfeierlichkeiten auf den Philippinen die längsten und aufwändigsten der Welt. Bei uns kann man vom 1. September bis zum 9. Januar des folgenden Jahres Weihnachtslieder hören und Weihnachtsdekorationen sehen.

Weihnachtsbäume werden dekoriert, egal ob grün oder weiß, klein oder groß. Der Weihnachtsmann, Rudolf und die berühmten Elfen dürfen natürlich nicht fehlen, um die Stimmung perfekt zu machen.

Philippinsche Studierende, die an einem "Parol" arbeiten.

Ein dekoriertes Zuhause hat auch immer einen Parol und eine Belen. Parol ist der spanische Ausdruck dafür, sein Zuhause zu erleuchten. Es repräsentiert den Stern, der die Heiligen Drei Könige zu Jesus in der Krippe geleitet hat. Ein Belen ist eine bildliche Darstellung der Geburt Christi mit Josef und Maria, den Heiligen Drei Königen und den Tieren im Stall zu Bethlehem. Diese Dekorationen kann man üblicherweise überall auf der Straße kaufen oder sie werden von Schülern im Kunstunterricht angefertigt.

Während der Weihnachtszeit sollte man auf den Philippinen immer Kleingeld für die Carolers parat haben, die vor jedem Haus Weihnachtslieder singen. Sie ziehen in Gruppen mit ihren selbstgemachten Musikinstrumenten aus Latten, Dosen, Flaschen oder anderem Material, mit dem man musizieren kann, durch die Straßen. Die Carolers können noch Kinder sein oder auch ältere Mitbürger, die gerne Weihnachtslieder singen und Geld für gemeinnützige Zwecke sammeln.

Misa De Gallo oder Simbang Gabi ist eine Reihe von neun Frühgottesdiensten vom 16. bis zum 24. Dezember. Die Katholiken gehen morgens um 4 Uhr in die Kirche in der Hoffnung, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn sie in allen neun Frühmessen waren.

Weihnachtsspezialitäten: Lilafarbene Desserts und Kuchen aus süßem Reis

Auf die Weihnachtszeit freuen sich auch viele Erwachsene, denen es nicht mehr um die Geschenke geht, sondern um die Weihnachtsspezialitäten. Am beliebtesten sind Puto bumbong und Bibingka. Niemand würde nach Simbang Gabi schlafen gehen wollen, ohne nicht wenigstens eines von beidem gegessen zu haben. Puto Bumbong ist ein lilafarbenes süßes Dessert, das aus klebrigem Reis in Bambus gedämpft und mit Butter und Kokos serviert wird. Bibingka ist ein Kuchen aus süßem Reis mit Käse und salzigem Ei. Der Duft dieser Speisen verbreitet sich durch alle Straßen und es ist wirklich schwer zu widerstehen. Weitere typische Weihnachtsleckereien sind Morcon, Embutido, Crispy Pata, Paella, Pancit Malabon, Leche Flan, Buko und Obstsalat.

"Puto Bumbong" und "Bibingka" sind typische philippinische Weihnachtsspezialitäten.

Wenn die Uhr am 25. Dezember Mitternacht schlägt, fängt die Noche Buena an. Das ist für uns der Zeitpunkt, wo wir jedem lächelnd „Frohe Weihnachten“ wünschen, uns umarmen und küssen. Dann gibt es das Weihnachtsessen und wir packen die Geschenke aus. Die Kinder bekommen natürlich die meisten Geschenke und können endlich ihre Cousinen und Cousins, Tanten und Onkel und andere Verwandte wiedersehen, die sie das ganze Jahr nicht gesehen haben. Sie treffen auch ihre Taufpatinnen und Taufpaten wieder und hoffen, dort Aguinaldo bzw. Bargeld als Geschenk zu bekommen, wenn sie ihnen das pagmamano erwiesen haben. Das ist gleichbedeutend mit der Tradition, Älteren als Zeichen der Wertschätzung die Hand zu küssen. Der Jüngere beugt sich dabei über die dargebotene Hand des Älteren.

Ein perfektes Weihnachten braucht keinen Schnee

Natürlich vermisse ich es, in dieser Zeit Geschenke zu bekommen. Aber bei all diesen philippinischen Weihnachtstraditionen erinnere ich mich doch, sobald die „-ber“-Monate (September bis Dezember) anfangen, dass das die Zeit der Zusammengehörigkeit ist. Es ist die Zeit, in der du dich geliebt fühlst, egal ob du bei deiner Familie, Freunden oder anderen Leuten bist. Es ist die Zeit, wo du ein warmes Lächeln, feste Umarmungen und aufrichtige Küsse bekommst. Es ist die Zeit, wenn alles stillsteht und das ganze Land miteinander feiert, unabhängig von sozialem Status, Bildungsabschluss oder Beruf. Und für mich ist das besser als weiße Gehwege und verschneite Bäume zu sehen oder schwere Winterkleidung, Mäntel und Stiefel zu tragen. Das wird immer mein perfektes Weihnachten sein.

Bonna ist gebürtige Philippina, 24 Jahre alt und studiert Hospitality Management an der IUBH. In ihrer Freizeit erkundet sie gerne Berlin und Europa. Außerdem liest sie gerne Motivationsbücher und Reiseberichte.

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