Vorsicht Vorurteil: Was das Marketing eigentlich macht

Über viele Berufsfelder und Studiengänge kursieren wilde Gerüchte und Vorurteile. Unsere Insider aus den jeweiligen Studiengängen räumen ein für alle Mal mit den Klischees auf.

Vorurteil 1: Hauptsache schwafeln: Marketing Manager kriegen keinen Satz ohne – selbstverständlich englisches – Beratersprech raus.

Of course ist es very important, kaum Deutsch zu speaken, wenn man mit seinen Customers arbeitet. Wir müssen schließlich unsere KPIs reachen und brauchen dafür erstmal das Go vom CEO, um asap unsere international Reputation zu improven!
Wow, ich gehe mir gerade selber animally on the cookie.
Natürlich können wir auch im Marketing normales Deutsch sprechen. Das Problem dabei: Marketing kommt aus dem Englischen. Sowohl das Wort als auch das Konzept. So wie alles, was dranhängt. Alles strebt Richtung Internationalität. In all meinen Vorlesungen lesen wir englische Texte und gucken englische Videos – auch die Dozenten werfen regelmäßig Begriffe rein, die wir schon irgendwie verstehen werden. Das ist das Schöne an einem gewissen Englisch-Level: Man übersetzt nicht mehr, sondern versteht das Gesagte einfach. Und wenn „improven“ für mich einfach dieselbe Bedeutung wie „verbessern“ hat, dann muss ich nicht verzweifelt nach der deutschen Übersetzung suchen.
Natürlich gibt es auch immer die Wichtigtuer, die denken, dass sie sich so von anderen besser distinguishen können, ohne zu wissen, was sie da eigentlich schwafeln. Aber: Exceptions prove the rule.

Vorurteil 2: Marketing? Das sind doch die, die Scheiße als Gold verkaufen und Leute zu unnützem Geldausgeben verführen.

Natürlich verkaufen wir einem Kunden nicht nur das, was er in diesem Moment möchte. Im Marketing wollen wir nicht nur den Bedarf decken, sondern ihn vorher auch selbst wecken! Seien wir mal ehrlich, bei jedem Produkt wird ein bisschen übertrieben, beschönigt und geschummelt. Das Gleiche kann man bei Bewerbungen oder beim Flirten beobachten: Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Wieso ist das also im Marketing auf einmal so dramatisch? Das Marketing macht Produkte zwar schmackhaft, aber den Kauf tätigt am Ende der Kunde. Und wir vom Marketing werden schließlich am Erfolg unserer Marketingstrategien und -aktivitäten gemessen. Auch wenn das bedeutet, auch mal den Goldlack rauszuholen – wir sind dabei.

Vorurteil 3: Hornbrille, schwarzer Rollkragenpulli, Mokassins (ohne Socken): In Marketingagenturen geht nichts über kreativen Style.

Ja, ist doch geil, oder? Man arbeitet an einem Ort ohne Dresscode. Es ist egal, ob man im Anzug, im Kleid, in der Jogginghose oder im Rollkragenpulli kommt. Jeder darf und kann seine Individualität in einem so kreativen Umfeld voll ausleben. Seite an Seite mit Designern, Exzentrikern und anderen kreativen Köpfen. Und was ist schon individueller als schwarze Rollkragenpullis mit Hornbrillen und Mokassins?
Auf die Individualität! Oder um Conny Froboess sehr frei zu zitieren: Pack den Kragenpulli ein, steck das Hornbrillchen mit rein und dann nüscht’s wie auf ins Marketing!

Vorurteil 4: Ins Marketing fließt das meiste Geld, und am Ende hängt irgendwo ein buntes Werbeplakat.

Eines vorneweg: Das Marketing-Department (ups, da ist schon wieder das böse Englisch…) bekommt, was die Experten für Forschung & Entwicklung oder Vertrieb übriglassen. Und soll dann deren Kram auch noch an den Mann oder die Frau bringen.

Als wäre es einfach, ein erfolgreiches Marketingkonzept zu kreieren! Man macht ja nicht einfach einen Entwurf für ein Werbeplakat – im Vorfeld braucht es langwierige Marktforschung, um zu ergründen, was der Kunde will und wie er es präsentiert haben möchte. Dazu kommt die hohe Kunst, das optisch so zu verpacken, dass eine tiefliegende Ebene seiner Psyche angesprochen wird. Und das sind nur die ersten Schritte in einem langen Prozess, der dann – das kann ich nicht leugnen – oft in einem Werbeplakat oder einer -kampagne endet. Aber was dahintersteht, sieht wieder keiner. Es ist schließlich kein Zufall, dass das B im Schriftzug einen bestimmten Rotton hat und in exakt diesem Winkel geneigt ist. Irgendeinen Grund wird das schon haben. Vermutlich etwas tief psychologisch Verankertes. Oder so.

Vorurteil 5: Social Media Marketing kann doch jeder schnell nebenbei bei Facebook machen.

Hahahahaha. Witzig. Nicht. Jeder Social Media Marketing Manager (ja, natürlich gibt es auch dafür eine Berufsbezeichnung…) bekommt wahrscheinlich einen kleinen Tobsuchtsanfall, wenn man ihm das sagt. Schließlich wird er für das bezahlt, was andere in ihrer Freizeit tun. Aber bei ihm ist das ja Arbeit und kann dementsprechend nicht nebenbei erledigt werden. Warum? Weil die Sprache und die Inhalte jedes Posts komplett an die Zielgruppe angepasst werden müssen. Und dazu muss die Zielgruppe mitsamt ihrer Bedürfnisse erstmal identifiziert werden.
Dann dürfen die Posts sich inhaltlich nicht wiederholen, die Werbeanzeigen dürfen bestimmte Keywords nicht enthalten (weil Facebook sehr empfindlich ist und nur zu gern die Reichweite von Werbeanzeigen einschränkt), die Bilder müssen zum Inhalt passen und abwechslungsreich sein, aktuelle Trends und Entwicklungen müssen aufgegriffen, die richtige Mischung aus Humor und Seriosität gefunden werden usw.

Klingt gar nicht so einfach? Ist es auch nicht. Weil Social Media Marketing nicht das Gleiche ist wie ein Video von niedlichen Kätzchen hochzuladen. Obwohl das im Notfall immer geht.

Lina ist 20 Jahre alt und studiert seit Oktober 2015 Marketing Management an der IUBH. In ihrer Freizeit sieht und diskutiert sie gerne Filme und Serien mit Freunden, liest Thriller oder hält ihre Heimatstadt in Fotos fest.

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