Flusskreuzfahrt
Captured by Wolfgang Lehner

Von Flusskreuzfahrten bis Hotelmanagement: Studium mit Fernweheffekt

Im Bereich Tourismus- und Hotelmanagement gibt es Traumjobs auf der ganzen Welt. Ein Studium an der IUBH bereitet darauf vor – mit besten Aussichten für die Arbeitswelt

 

Die Motoren brummten sonor, gerade erst hatte das 135 Meter lange Schiff die Anlegestelle in Köln verlassen – und Jennifer Böckmann war ziemlich nervös. Denn sobald sich alle Gäste der Rhein-Kreuzfahrt in der Lounge versammelt haben würden, sollte sie auf offener Bühne die Landausflüge präsentieren: Mainz, Breisach und Basel standen auf dem Programm, dazu noch eine Reihe anderer Sehenswürdigkeiten. „Zum ersten Mal stand ich da allein mit dem Mikrofon vor 200 Gästen“, erinnert sich Jennifer Böckmann. Damals war sie gerade mit ihrem ersten Studium fertig, heute ist sie beim Flusskreuzfahrtenanbieter A-ROSA Chefin von 20 Kollegen.

Flusskreuzfahrt

© Wolfgang Lehner

Captured by Wolfgang Lehner

Es war direkt nach ihrem Bachelor-Abschluss an der IUBH, als die heute 31-Jährige die Flusskreuzfahrten für sich entdeckte: „Ich hatte mich bei verschiedenen Hotelketten beworben“, erzählt sie – dass sie dann ausgerechnet auf einem Schiff gelandet ist, bezeichnet sie heute schmunzelnd als „eine Fügung“. Und so heuerte sie bei A-ROSA an; mittlerweile kennt sie alle Destinationen des Anbieters: Den Rhein zwischen Amsterdam und Straßburg hat sie gesehen, die Rhône in Frankreich und natürlich die Donau. „Das ist eine faszinierende Arbeit“, findet Jennifer Böckmann, „von außen sieht ja niemand, wie viele Dinge im Hintergrund organisiert und geplant sein müssen.“ Von den Landgängen der Passagiere über die Kabinenverteilung bis hin zur obligatorischen Sicherheitseinweisung hat die Crew ungezählte Details im Blick zu behalten.

„Knapp neunzig Prozent unserer Abgänger finden innerhalb von zwölf Wochen eine Arbeitsstelle“

„Wenn ich mit Studieninteressenten spreche, ist es genau diese Vielfalt, die an der Reisebranche fasziniert“, sagt Helmut Wachowiak. Er ist Gründungsprofessor des Studiengangs Tourismusmanagement, der schon seit seinem Start im Jahr 2000 zu den innovativsten Angeboten an deutschen Hochschulen gehört. Dass die gesamte Lehre auf Englisch stattfindet, dass die Studierenden dank Kooperationen einen Doppelabschluss an einer ausländischen Partnerhochschule absolvieren und über ein langes Praktikum schon früh in die Branche eintauchen können, dies alles macht die Absolventen zu begehrten Fachkräften: „Knapp neunzig Prozent unserer Abgänger“, sagt Wachowiak stolz, „finden innerhalb von zwölf Wochen eine Arbeitsstelle!“ Zu dem Erfolg trägt vor allem die inhaltliche Mischung des Studiengangs bei, in dem um das betriebswirtschaftliche Know-how herum jede Menge Spezialkenntnisse vermittelt werden – die Branchen-Spezifika von der Destinationsentwicklung bis hin zur Marktforschung zählen dazu, aber auch die Vertiefungsfächer, die jeder Studierende nach seinen eigenen Interessen hinzuwählen kann.

Umgetrieben wird die Tourismusbranche heute von ganz anderen Themen als noch zur ihrer Anfangszeit vor anderthalb Jahrzehnten. Man sei bestrebt, den Wandel selbst mitzugestalten, sagt Helmut Wachowiak: „Wir sind zum Beispiel Sponsoren eines Innovationspreises, mit dem Startups ausgezeichnet werden.“ Einer der jüngsten Gewinner zeigt exemplarisch die Richtung der Veränderungen: die Webseite namens „Beach-Inspector“. Sie revolutioniert die Suche nach dem richtigen Urlaubsziel. In einer großen Datenbank lassen sich weltweit die passenden Strände suchen – etwa nach Kriterien wie den besten Strandbars, den größten Wellen für die Surfer oder der Qualität des Wassers.

Studiengang im Netzwerk „Hotel Schools of Distinction“

Eines aber, so Wachowiak, sei allen technischen Veränderungen zum Trotz gleich geblieben: „Deutschland ist neben China und den USA der wichtigste Reisemarkt der Welt.“ Dass es nicht nur die großen Unternehmen gibt, sondern auch jede Menge kleine und mittelgroße Unternehmen, die hochinteressante Arbeitgeber sind, weiß Rosemarie Delgado-Krebs. Die Professorin sitzt in ihrem Büro unter dem Dach, gerade war noch ein Studierender da, um seine Abschlussarbeit im Fach Hotelmanagement mit ihr zu besprechen. „Der Kontakt zu meinen Kollegen und zu den Studierenden ist so eng, das habe ich vorher noch an keiner anderen Hochschule so erlebt“, schwärmt Delgado-Krebs. Sie stammt aus den USA und hat dort lange in Florida gelehrt. Seit neun Jahren ist sie nun an der IUBH – und erlebt in der deutschen Hotelleriebranche eine Debatte, die sie in Amerika vor vielen Jahre bereits verfolgt hatte: Sie dreht sich um die Frage, ob Hotelmanager wirklich ein akademisches Studium brauchen oder ob dafür nicht die klassische Ausbildung ausreicht. „In einem Hotel kann man lernen, wie man das interne PC-Programm richtig nutzt“, sagt Delgado-Krebs, „aber die wichtigsten Aspekte bei der Preisgestaltung zum Beispiel, also das ganze Denken dahinter – das ist so komplex, dafür braucht man eben doch ein Studium.“ Der IUBH-Studiengang Hotelmanagement zähle als einziges Angebot in Deutschland zum weltweit renommierten Netzwerk „Hotel Schools of Distinction“, was die Qualität der Ausbildung unterstreiche. Und deshalb, sagt Rosemarie Delgado-Krebs nicht ohne Stolz, stünde ihren Absolventen der Weg nicht nur in die weltweit interessantesten Hotels offen, sondern etwa auch der in die großen Unternehmensberatungen.

Nachhaltigkeit im Tourismus ist von wirtschaftlicher Bedeutung

Willy Legrand beweist, dass an der Hochschule nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht wird. Der kanadische Professor hatte selbst ein naturwissenschaftliches Studium absolviert, bevor er sich für den Bereich des Hotelmanagements begeisterte. Jetzt ist es für ihn „eine faszinierende Herausforderung, diese beiden Disziplinen zusammenzuführen“. Und so konzentriert er sich auf das Thema Nachhaltigkeit in der Hotellerie. „Gutes Essen und eine gesunde Umgebung sind wichtige Entscheidungsgründe für Urlauber. Und deshalb sollten sich die Hotels auch darum kümmern“, fasst er sein Credo zusammen. Inzwischen sei die Nachhaltigkeit zum game changer geworden, zum entscheidenden Faktor: „In einem Hotel machen die Energiekosten bis zu acht Prozent der Gesamtausgaben aus, doppelt soviel wie vor 15 Jahren“, sagt Legrand. Für ihn ist die Nachhaltigkeit also nicht bloß eine Imagefrage, sondern auch von handfester wirtschaftlicher Bedeutung. „Denken Sie nur an das Wassermanagement: Wenn ein Hotel in einem wasserarmen Gebiet liegt, kann es deshalb ja den Verbrauch der Gäste nicht auf zehn Liter am Tag beschränken. Wie geht man also damit um? Oder das Thema Lebensmittelverschwendung: In Luxushotels landet bis zu 40 Prozent des Essens vom Buffet im Müll. Da ist noch viel Luft für Verbesserungen.“ Willy Legrand arbeitet deshalb mit Kollegen aus der gesamten EU am Projekt „Tourism, Wellbeing and Ecosystem Services (TObeWELL)“, in dem sie neue Nachhaltigkeitsansätze zusammentragen.

Auszeichnung für Masterarbeit über Flusskreuzfahrten

Es ist nicht das einzige Forschungsprojekt an der IUBH, das internationale Aufmerksamkeit findet. Bisweilen sorgen auch studentische Abschlussarbeiten für Furore – so wie die Masterarbeit von Jennifer Böckmann, nun Corporate Cruise Manager bei A-ROSA. „Ich habe die Beziehungen zwischen den Reedereien und jenen Städten untersucht, die von den Schiffen angelaufen werden“, sagt sie. „Denn erstaunlicherweise könnten diese Städte das Potenzial der vielen Kreuzfahrtgäste viel besser nutzen.“ Für ihre Thesis ist sie auf der weltweit wichtigsten Tourismusmesse, der ITB Berlin, gerade mit dem ITB-Wissenschaftspreis für die beste Nachwuchsarbeit ausgezeichnet worden.

Ausgelernt hat Böckmann trotz aller Erfahrung noch nicht. „Im Frühjahr bin ich bei der großen Donau-Fahrt dabei“, sagt sie voller Vorfreude. Mehr als zwei Wochen lang geht es vom Starthafen Engelhartszell bei Passau den mächtigen Strom entlang – bis ins Donaudelta in Rumänien. „Jetzt beschäftige ich mich schon so viele Jahre mit Flusskreuzfahrten“, sagt Jennifer Böckmann, „aber diese Tour wird auch für mich eine ganz neue Erfahrung sein!“

 

Mehr zu diesem Thema

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.