Terrorismus
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Tourismus in Zeiten von Terrorismus

Studentin Saskia Schulz hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit den Auswirkungen des internationalen Terrorismus auf das Reiseverhalten der Deutschen auseinandergesetzt.

Eine Reihe terroristischer Anschläge auf Urlaubsziele erschütterte im Verlauf der letzten Jahre die Öffentlichkeit: die Amokfahrt mit einem LKW auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, drei Selbstmordattentäter am Atatürk-Flughafen in Istanbul, der Abschuss eines russischen Passagierflugzeuges über der Sinai Halbinsel in Ägypten oder auch der Anschlag auf ein deutsches Hotel im tunesischen Port al Kanthui – um nur einige zu nennen.

Doch haben solche Vorfälle auch Einfluss auf das Reiseverhalten von Touristen – und was bedeutet das für die entsprechenden Regionen? Mit diesen Fragen hat sich Saskia Schulz, Bachelorabsolventin an der IUBH Duales Studium, im Rahmen ihrer Abschlussarbeit im Fach Tourismuswirtschaft bei Professorin Ina zur Oven-Krockhaus auseinandergesetzt.

„Die Zusammenhänge zeigen sich deutlich“, konstatiert ihre Professorin. „Durch sofortige Medienverbreitung haben die Anschläge eine weltweite Reichweite. Die Touristen werden verängstigt und reisen in vermeintlich sichere Destinationen. Das führt dazu, dass die Wirtschaft in den von den Anschlägen betroffenen Regionen geschwächt wird. Die Medienpräsenz wirkt sich direkt auf bestehende und vor allem auf potenzielle Buchungen aus.“

Fast 1 Million weniger Sommerurlauber

Sieht man sich den Ablauf touristischer Krisen an, bricht nach einem Anschlag die touristische Nachfrage in der Zielregion ein. Reisende stornieren ihren Urlaub, und Neubuchungen bleiben für die Reiseveranstalter und -mittler aus, schreibt Schulz in ihrer Abschlussarbeit. Das beweisen auch die Umsatzzahlen der Reisebüros: 2015 und 2016 sanken diese nach den Anschlägen immer wieder deutlich ab. Daraufhin verstärken die betroffenen Regionen ihre Sicherheitsvorkehrungen und hoffen, mit Hilfe von Werbung und Kampagnen, auf ein Wiederkehren der Gäste. In Ägypten scheint das laut Schulz zu funktionieren: Die Nachfrage steigt 2017 langsam wieder an.

Wie eklatant die Auswirkungen dennoch sind, zeigt sich in einer Befragung des Marktforschungsunternehmens GfK: Demnach haben 2016 im Vergleich zum Vorjahr fast eine Million weniger Menschen einen Sommerurlaub gebucht. Viele östliche Mittelmeerländer wie die Türkei wurden und werden gemieden. „Das liegt inzwischen aber vor allem an der politischen Situation vor Ort, insbesondere in der Türkei“, so zur Oven-Krockhaus. Verbrachten 2015 noch 6,5 Prozent der Befragten in der Türkei ihren Urlaub, sank die Zahl im Folgejahr auf sechs Prozent, so eine Untersuchung des Statistik-Portals Statista.

Schwindende Zahlen auf der einen Seite – Massenansturm auf der anderen

Ehemals beliebte Ziele wie Ägypten, Tunesien und Marokko verbuchten ein Minus. Insbesondere Familien, die ihre Ferien 2015 noch in diesen Ländern verbracht haben, reisten 2016 auf die Balearen, nach Portugal oder Bulgarien. Von der unsicheren Lage profitierten auch Nord- und Ostsee mit einem Touristen-Plus von 0,3 bzw. 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wichtig war den Urlaubern vor allem die aktuelle Sicherheitslage vor Ort, bevor sie sich für ein Reiseziel entschieden, fand Schulz in ihrer Arbeit heraus. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, haben viele 2016 im Last-Minute-Bereich gebucht und auf die Frühbucherrabatte der Veranstalter verzichtet.

2017 präferierten Reisende für ihren Sommerurlaub die Destinationen Griechenland, Bulgarien und Kroatien. Spitzenreiter bleiben laut GfK-Studie weiterhin die Balearen. Doch auch hier sind die Auswirkungen des Terrorismus zu spüren: Die vermeintlich sicheren Urlaubsziele lösen einen regelrechten Massenansturm von Touristen aus. Die Einwohner Mallorcas wehren sich, wie der Spiegel berichtet, inzwischen energisch: Ende Juli sperrten sie symbolisch das Tourismusministerium, vielerorts tauchen Plakate mit Schriftzügen wie „Palma no se vende“ („Palma wird nicht verkauft“), „Tourists go home!“ und „Tourists=Terrorists“ auf. Es bleibt abzuwarten, wie Destinationen sich den Herausforderungen schwindender Touristenzahlen auf der einen und dem Massenandrang auf der anderen Seite stellen werden.

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