Castello Monticelli

Tagebuch einer italienischen Reise

Was machen zehn Studierende, ein Professor und ein Lehrbeauftragter in Kleinbussen auf dem Weg nach Italien? Eine Exkursion im Fach Tourismuswirtschaft. IUBH-Studentin Denica hat für uns ein Reisetagebuch geführt.

 

Ihren Ursprung hatte die ganze Exkursion auf der ITB (Internationale Tourismus-Börse) 2017. Dort lernte unser Professor Dr. Peter Neumann den Besitzer des Ressorts Castello Monticelli, Giuseppe Tullio, kennen. Dieser war interessiert an neuen und kreativen Ideen für den touristischen Betrieb seines historischen Castellos. Da könnte die IUBH doch helfen! Gesagt, getan: 2018 machte sich unser Professor zusammen mit dem Lehrbeauftragten Dr. Kai Pagenkopf und zehn Studierenden aus Erfurt auf den Weg nach Umbrien.

Tag 1: Sonntag, 18.3.18

Pünktlich um 6 Uhr morgens trafen wir uns bei Kälte und Schnee an unserem Campus in Erfurt und stiegen in die eigens angemieteten Kleinbusse. Die Reise fing gleich gut an: verschneite Straßen, Polizeikontrolle bereits nach 10 Minuten wegen kaputtem Abblendlicht… aber wir hatten Musik zum Mitsingen und gute Laune.

Ein paar Stunden später bremste uns eine leuchtende Kontrolllampe erneut aus und wir mussten zwei Stunden auf den ADAC warten. Danach ging es zum Glück ohne weitere Zwischenfälle bis zu unserem ersten Etappenziel Verona. Dort haben wir ein nettes Hotel in der Innenstadt bezogen und noch ein bisschen Sightseeing gemacht, natürlich inklusive der Arena di Verona und dem berühmten Balkon von Romeo und Julia.

Tag 2: Montag, 19.3.18

Unser einziges Ziel an diesem Tag: endlich im Castello ankommen. Aber Professor Neumann hatte die Idee, vorher noch einen Abstecher in ein typisches umbrisches Bergdorf zu machen. In Montone angekommen, waren wir froh, uns für den Besuch dieses atemberaubenden Ortes entschieden zu haben, auch wenn wir so erst am späten Nachmittag das Castello Monticelli erreichten. Die Architektur des beeindruckenden Gebäudes, die grüne umbrische Landschaft und die Sonne waren das Erste, was uns auffiel. Wir wurden sehr herzlich von Giuseppe, dem Besitzer des Castellos, und der Ressortmanagerin Ellen empfangen. Die Unterkünfte, oder besser gesagt die großen, im italienischen Stil eingerichteten Appartements wurden unter uns aufgeteilt.

Bereits eine halbe Stunde nach unserer Ankunft trafen wir uns wieder mit Giuseppe für eine historische Tour durch die Hotelanlage in der Dämmerung. Die teilweise mehr als einen Meter dicken Außenwände könnten sicher stundenlang Geschichten über die Vorbesitzer und die damaligen Zeiten erzählen. Wir erfuhren, dass die Geschichte des Hauses bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, obwohl neuere Forschungen darauf hindeuten, dass der Bau in einigen Teilen bereits aus dem 6. Jahrhundert stammt. Giuseppes Familie erwarb das Haus als Sommerresidenz, die Restauration dauerte über 15 Jahre. Doch nach und nach wurden die Wohnungen an Urlauber vermietet, sodass die Idee entstand, eine Art Hotel- oder Ferienhausanlage daraus zu machen. Nun ist das Ziel, das Castello Monticelli als eine eigene Marke zu etablieren und touristisch weiterzuentwickeln. Dabei sollen unter Einbezug der ländlichen Lage auch neue Zielgruppen angesprochen und neue Konzepte entwickelt werden.

Nach der Führung wartete auf uns eine wunderschön eingedeckte Tafel zum Abendessen. Fünf Gänge und ein paar Flaschen Wein später hatten wir uns alle miteinander bekannt gemacht. Die kreative Energie nutzend, trafen wir Studierenden uns anschließend noch für ein Brainstorming, um die ersten Eindrücke und Ideen festzuhalten.

Tag 3: Dienstag, 20.3.18

Castello MonticelliDas Ziel am dritten Tag war es, die Destination Umbrien näher kennenzulernen und die touristischen Attraktionen und Zielgruppen besser bewerten zu können. Unser Tourguide war Ellen, die sich mit der Geschichte und den Besonderheiten der Region gut auskennt. Unser erstes Ziel war Perugia, die Hauptstadt der Region. Wir sind erst mit den Kleinbussen und anschließend der Minimetro gefahren und konnten eine der schönsten Städte Umbriens entdecken. Perugia ist reich an Kunstwerken, Kultur und Architektur aus vier historischen Epochen: von den Etruskern über die Römer und das Mittelalter bis zur Renaissance. In einem komplizierten System von kleinen Straßen, engen Gassen und teils sehr steilen Steintreppen treffen Vergangenheit und Gegenwart in perfekter Harmonie zusammen. Zu unserem Aufenthalt gehörten natürlich einige Espressi und der Besuch einer Chocolaterie.

Danach ging es in die Stadt Bevagna. Dort konnten wir das innen opulent ausgeschmückte Theater bestaunen, die lokale Architektur genießen und bekamen einen Einblick in Herstellung und Vertrieb der typisch umbrischen Kaschmirprodukte. Der nächste Punkt auf unserer To-do-Liste für den Tag war eine Weinverkostung auf einem Bio-Weingut.

Zurück im Castello erwartete uns bereits Beatrice Morlunghi von der Wirtschaftsförderung Umbrien, die uns in einem Fachvortrag die Region als Tourismusdestination näherbrachte. Im Anschluss führten wir eine erste Stärken-Schwächen-Analyse für das Castello durch und präsentierten diese anschließend vor dem Hotel-Team. Daraus entstanden interessante Diskussionen bis spät in die Nacht, die uns auf die Workshops am nächsten Tag vorbereiteten.

Castello MonticelliTag 4: Mittwoch, 21.3.18

Nun war es an der Zeit, konkrete Produktideen zu entwickeln, mit dem Ziel, das Resort profitabler zu gestalten. Bei unserem Vorgehen haben wir Teile des „Design-Thinking-Ansatzes“ übernommen: Hierbei entwickelt man in einem kreativen Umfeld neue Ideen, die aus Nutzersicht überzeugen können. Die Vorgehensweise orientiert sich an den Schritten Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen. Die erarbeiteten Konzepte werden in mehreren Runden überprüft und weiterentwickelt.

Zuerst teilten wir uns in Zweiergruppen auf, suchten uns passende Zielgruppen aus und entwickelten darauf aufbauend unsere Konzepte. Nach ein paar Kreativrunden stellten wir uns gegenseitig die Ideen vor, um uns von den zunächst sechs Konzepten für drei zu entscheiden, die wir dem Team später vorstellen wollten. Im nächsten Schritt haben wir unsere Ideen mit Hilfe von Lego-Serious-Play plastisch dargestellt. Dabei visualisiert man Ideen oder Situationen mit Hilfe von Legosteinen. Durch diese Kreativtechnik erhält man oft neue Sichtweisen auf Dinge. Anschließend kam die Kritikrunde, bei der die Konzepte durch kritische Fragen der anderen Gruppen geprüft wurden. Daraufhin wurden die Konzepte überarbeitet und dann für die Präsentation fertiggestellt.

Wir entschieden uns für folgende Ideen:

  • Reisegruppen-Konzept: geeignet für Treffen im Familien- oder Freundeskreis, Zielgruppe aus ganz Europa mit dem Schwerpunkt Kulturreisen und gemeinsame Auszeit
  • Slow-Tourism-Konzept: Zielgruppe sind Genießer, die Umbrien authentisch erleben möchten
  • Kinderbauernhof auf dem Castello: Zielgruppe sind Familien mit kleinen Kindern

Unsere Konzepte stellten wir Giuseppe, Ellen und dem Rest des Teams vom Castello vor. Alle Ideen wurden sehr gut angenommen, sodass wir eingeladen wurden wiederzukommen, um die Umsetzung bzw. den Fortschritt zu kontrollieren. So eine Möglichkeit werden wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Unser letzter Abend klang in der urigen Gaststätte eines Bio-Wirts aus. Alles, was wir dort kosten durften, war aus eigenem Anbau und eigener Herstellung. Es war der perfekte Abschluss einer sehr schönen und lehrreichen Exkursion.

Umbrien, wir kommen wieder!

 

Denica ist 23 Jahre alt und studiert seit 2014 Tourismuswirtschaft an der IUBH Duales Studium in Erfurt. In ihrer Freizeit reist sie gern oder kocht gemütlich zuhause mit Freunden.

Mehr zu diesem Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.