Auf einem Plakat veröffentlichen die Studierende mit dem Franziskustreff zusammen die Forschungsergebnisse

Studierende erforschen Lebenswirklichkeiten Frankfurter Wohnungsloser

Im Rahmen eines Forschungsprojekts beschäftigten sich Studierende aus dem Studiengang Soziale Arbeit mit den Lebensumständen von Wohnungslosen in Frankfurt. Gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner, dem Franziskustreff, präsentierten sie ihre Ergebnisse in der U-Bahnstation „Hauptwache“.

 

In Frankfurt am Main leben mindestens 2.700 wohnungslose Menschen. Davon sind gut 400 ohne jedes Dach über dem Kopf. Rund 180 wohnungslose Menschen kommen täglich zum Frühstück in den Franziskustreff in der Innenstadt. Im Wintersemester 2019/2020 haben 16 duale Bachelorstudierende aus dem Studiengang Soziale Arbeit der IUBH  drei Monate lang die Gäste des Franziskustreffs zu ihren Lebenswirklichkeiten befragt. In der Frankfurter U-Bahnstation „Hauptwache“ enthüllten sie gemeinsam mit Bruder Paulus Terwitte (Vorstand der Franziskustreff-Stiftung), mit Bruder Michael Wies, Leiter des Franziskustreffs, und mit ihrem Professor Dr. Nikolaus Meyer ein rund vier Quadratmeter großes Plakat. Zwei Monate lang können rund 180.000 Passagiere täglich durch die freundliche Unterstützung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsarbeit lesen.

Viele Wohnungslose haben keinen sozialen Rückhalt

Die Studierenden zeigen in ihrer Studie, dass die Altersspanne der Gäste des Franziskustreffs von 29 bis 74 Jahren reicht und besonders die älteren Menschen von der prekären Lebenssituation gezeichnet sind. „19% der Befragten sind über 65 Jahre alt und meistens alleinstehend. Nur 25% leben mit Partner oder Partnerin“, so Studienleiter Prof. Dr. Nikolaus Meyer. „Das ist ein Problem, weil bei wohnungslosen Menschen schnell das gesamte soziale Umfeld zusammenbricht, wenn es zum Wohnungsverlust kommt oder er droht. Ohne stützende soziale Kontakte wird es aber ungeheuer schwer, wieder in ein selbstständiges Leben zurückzufinden.“

Zahlreiche Menschen kommen in der Hoffnung auf Arbeit nach Frankfurt

Ein weiteres Studienergebnis sei, so Meyer, dass Arbeit für alle Menschen, egal ob deutsche oder EU-Bürger, eine zentrale Motivation gewesen sei, in den Ballungsraum Rhein-Main zu ziehen. Allerdings warnt er: „Nur für 46,3% der Gäste des Franziskustreffs erfüllt sich dieser Traum, und dabei ist keineswegs klar, ob es sich immer um reguläre Beschäftigungsverhältnisse handelt“. Gerade EU-Bürgerinnen und -bürger würden oft mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und hier massiv ausgebeutet werden. „Ein Unfall und man sitzt dann ohne Versicherung auf der Straße.“

Studierende der IUBH und Mitarbeiter des Franziskustreffs in Frankfurt

Beschäftigung mit Wohnungslosigkeit im Studium hat großes Potential

Dass das Thema Wohnungsnothilfe im Studium Soziale Arbeit an der IUBH behandelt wird, findet Meyer wichtig: „Wir haben uns damit zu Beginn des Semesters intensiv auseinandergesetzt. In der Arbeit mit wohnungslosen Menschen brauche ich methodisches Geschick ebenso wie Sozialrecht und psychologische Kenntnisse. Das sind alles Themen, die die Studierenden in jedem Handlungsfeld der Sozialen Arbeit wieder benötigen. Am Ende ist die konkrete Zielgruppe nur ein kleiner Unterschied“. Der Leiter des Franziskustreffs, Bruder Michael Wies, Kapuziner und ebenfalls studierter Sozialarbeiter, unterstützt die Studierenden mit seiner praktischen Expertise im Seminar. „Soziale Arbeit bedeutet Theorie und Praxis. Da ist das eine ohne das andere nichts. Das gilt ganz besonders in der Wohnungsnotfallhilfe. Für uns ist es etwas Besonderes, wenn wir engagierte junge Menschen in die anspruchsvolle Soziale Arbeit mit hinein begleiten dürfen.“
Auch die Studierenden sind am Ende des Semesters sehr zufrieden mit ihrer ersten Forschungsarbeit. Die enge Verzahnung von theoretischer Reflexion und praktischer Umsetzung ist einer der wichtigsten Plus-Punkte aus ihrer Sicht.

 

Der Franziskustreff bietet wohnungslosen und mittellosen Mitmenschen in der Innenstadt von Frankfurt am Main ein reichhaltiges Frühstück an. Der kleine Gastraum hat 32 Sitzplätze. Das Angebot des Franziskustreffs umfasst neben dem Frühstück auch eine umfassende Sozialberatung.

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