Right-wing extremism

Studientag „Rechtsextremismus“: Gesellschaftliche Missstände artikulieren

Der Studientag „Rechtsextremismus“ in Frankfurt am Main am 4. und 5. Juli 2019 beschäftigt sich mit Formen des Rechtsextremismus und diskutiert den Umgang der Sozialen Arbeit mit diesem Phänomen. Prof. Dr. Nikolaus Meyer, IUBH-Professor für Soziale Arbeit, ist Mitorganisator des Studientags und gibt im Interview Auskunft über den Mehrwert der Veranstaltung.  

 

Den Einfluss von Rechtsextremismus und rechten Akteuren auf die Gesellschaft beobachten wir nahezu täglich in den Medien. Inwiefern ist die Auseinandersetzung mit dem Thema in der Sozialen Arbeit von Bedeutung?

Prof. Dr. Nikolaus Meyer: In unserer Gesellschaft verändert sich aktuell etwas: Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 wird zum Beispiel von „Asyltourismus“ gesprochen. Ist die Flucht aus einem Bürgerkriegsland mit Kreuzfahrttourismus vergleichbar? Natürlich nicht, aber diejenigen, die solche Bilder verwenden, haben eine Absicht: nämlich mithilfe des sogenannten „Framings“ auf positive Bilder aus dem touristischen Umfeld anzuspielen und so die oft furchtbaren Fluchtursachen und -erlebnisse von Menschen zu negieren. Die Soziale Arbeit treffen diese Entwicklungen ganz besonders: Immerhin ist deren Adressatenkreis sehr oft Teil solcher an den Rand gedrängten Gruppen. Darüber hinaus zeigen sich im Alltag Sozialer Arbeit auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Professionelles Handeln setzt aber eine vorangehende Beschäftigung mit solchen Themen voraus.

Worauf liegt der Fokus des Studientags „Rechtsextremismus“?

Meyer: Einerseits auf einer ersten theoretischen Hinführung, also Fragen wie: Was bedeutet „Antiziganismus“ eigentlich oder wo beginnt Antisemitismus? Im Anschluss befassen sich die Arbeitsgruppen ganz intensiv mit solchen Themenkomplexen in Bezug auf die Soziale Arbeit. Die Studierenden sind anschließend in der Lage, reflektiert Stellung zu beziehen und mit den wichtigsten Fachvertretern der Berufsverbände und wissenschaftlichen Fachgesellschaften Handlungsperspektiven zu diskutieren. Alle Workshops und Arbeitsgruppen sind mit führenden wissenschaftlichen Experten und/oder Praktikern in diesem Feld besetzt. Bislang gab es noch nie eine vergleichbar prominent besetzte Veranstaltung für Studierende in diesem Themenfeld. Die Vernetzung von notwendiger Theorie und praktischer Arbeit ist dabei ganz zentral. Damit entspricht der Studientag auch unseren Vorstellungen als Lehrende: Theorie und Praxis sinnvoll zu verzahnen!

Was können IUBH-Studierende grundsätzlich und für ihr Studium mitnehmen?

Meyer: Die Studierenden haben die Möglichkeit, neueste Forschungsergebnisse der Referenten zu hören und sie verstehen, welche Auswirkungen die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auf ihre eigene Arbeit haben. Außerdem lernen sie, dass Soziale Arbeit nach ihrer eigenen Berufsdefinition gesellschaftliche Missstände artikulieren muss. Dieses Bewusstsein muss sich aber erst bilden. Insofern greifen Studium und Studientag hier ineinander. Sozialarbeiter haben immer wieder mit antisemitischen Sprüchen in Jugendclubs etc. zu tun. Wann haben die Fachkräfte denn gelernt, damit professionell umzugehen? In der Regel gar nicht. Hier müssen wir als Soziale Arbeit insgesamt etwas ändern. An der IUBH gehen wir voraus und tun das jetzt!

Inwiefern wird das Thema Rechtsextremismus im Studium Soziale Arbeit an der IUBH behandelt?

Meyer: Wir sind einige engagierte Kollegen in diesem Bereich, insofern findet das Thema im Querschnitt immer wieder statt, aber: Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus ist an keiner deutschen Hochschule in der Sozialen Arbeit wirklich curricular verankert. So auch nicht bei uns. Die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michaela Köttig von der Frankfurt University of Applied Sciences, die gleichzeitig Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit ist, zeigt aber die Vorreiterposition der IUBH in diesem Themenfeld und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, dass andere Hochschulen diesem Beispiel in Zukunft folgen. Die Studierenden werden diese Lernerfahrungen sicherlich in die Praxiseinrichtungen tragen und im Verlauf des Studiums immer wieder darauf zurückkommen.

Weitere Informationen zum Studientag „Rechtsextremismus“ und das Programm gibt es hier.

 

Prof. Dr. Nikolaus Meyer ist an der IUBH Professor für Soziale Arbeit. Seine Schwerpunkte sind Professionsforschung, Soziale Arbeit und Alter(n). Außerdem beschäftigt er sich mit der Frage, inwieweit „Erziehung nach Auschwitz“ heute ein Mandat des professionellen Handelns sein kann.

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