Overtourism

Studie: So reagieren Urlauber auf Overtourism

Es ist Ferienzeit, doch nicht alle freuen sich darauf: Immer mehr Menschen beklagen die Touristenmassen, die Urlaubsorte überfluten. Die IUBH hat erstmalig das Phänomen „Overtourism“ aus Sicht der Reisenden untersucht.

 

„Overtourism“ bedeutet, dass sich „zu viele“ Touristen an einem Urlaubsort tummeln. Die Konsequenzen sind, dass sich nicht nur die Einheimischen in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen, sondern auch das Urlaubserlebnis der Besucher leidet. Die IUBH Internationale Hochschule hat die Reaktion der Touristen auf Overtourism untersucht. Die Studie beruht auf den Antworten eines Online-Fragebogens von 384 Personen und zeigt, wie Urlauber überlaufene Orte wahrnehmen und welche Auswirkungen das Wissen um Overtourism auf ihr Reiseverhalten hat.

Billigflieger und soziale Medien sind Mitverursacher von Overtourism

Die Welt ist reiselustiger geworden – und das Reisen hat sich verändert: Der wachsende Kreuzfahrt-Tourismus und das große Angebot an Billigfliegern sorgen dafür, dass immer mehr Menschen – meist für kurze Zeit – an bestimmten Orten Urlaub machen. Dazu kommt, dass viele Länder von politischen Konflikten betroffen sind, sodass Touristen deshalb oft kurzfristig auf andere Orte ausweichen. Zusätzlich befeuern die sozialen Medien das Phänomen, da dank ihrer Reichweite über ein Bild auf Instagram kleine Orte ohne vorhandene touristische Infrastruktur sehr schnell sehr bekannt werden können. Die Folge: Viele Urlaubsorte haben vermehrt mit Überfüllung, steigenden Lebenshaltungskosten, Umweltproblemen und der Touristifizierung ganzer Stadtviertel zu kämpfen.

Die Befragten kennen das Problem – viele würden dennoch reisen

Dass das Thema bei Reiseinteressierten angekommen ist, zeigen die aktuellen Studienergebnisse der IUBH: Zwei von drei Befragten kennen die Problematik Overtourism – sie verbinden damit vor allem folgende Orte: Venedig, Barcelona, Paris, Rom und Amsterdam. Von einer Reise in die betroffenen Urlaubsorte würde sich die Mehrheit (53 Prozent) dennoch nicht abhalten lassen. Der Grund? „Viele der Studienteilnehmer interpretieren die Popularität einer Destination als ein ‚Must see‘,“ so Prof. Dr. Claudia Möller, Studiengangsleiterin International Tourism Management an der IUBH. „Also als Beweis dafür, dass man diesen Ort einfach einmal gesehen haben muss.“ Als weitere Gründe für einen Besuch nannten die Befragten die „vielen und speziellen Attraktionen“ vor Ort, „Kultur“, „Geschichte“ sowie „kostengünstiges Reisen“. Viele Befragte würden die betroffenen Orte aber lieber in der Nebensaison besuchen oder etwas außerhalb wohnen.

Massenabfertigung statt individueller Service

Doch nicht jeder möchte dem Overtourism zusätzlich Nahrung geben: Ein Drittel aller Befragten würde eine Reise an überfüllte Urlaubsorte lieber vermeiden (30 Prozent) bzw. sogar klar ablehnen (5 Prozent). Denn die Faktoren, die den meisten Befragten in ihrem Urlaub wichtig sind – „authentische Atmosphäre“ (95 Prozent), „andere Kulturen“ (93 Prozent), „Sehenswürdigkeiten“ oder „Museen“ (91 Prozent) – sehen sie durch die Überfüllung gefährdet. Aus der Sicht der Besucher lauten die wichtigsten Auswirkungen von Overtourism „Verlust von Authentizität“, „Stress“ und „beeinträchtigter Urlaubsgenuss“, „erhöhte Preise“ sowie „Lärm“ und „Umweltbelastungen“. „Viele der Befragten befürchten das Gefühl der Massenabfertigung, das im Gegensatz zu einem gewünschten individuellen Service und Urlaub steht“, so Möller.

Die Generationen reagieren unterschiedlich

Ob Mann oder Frau, macht bei der Entscheidung für oder gegen einen für seine Überfüllung bekannten Urlaubsort keinen Unterschied – wohl aber das Alter: Bei der Gruppe „15-24 Jahre“ ist es signifikant wahrscheinlicher, dass sie auch die für Overtourism bekannten Orte aufsucht als die Gruppe ab 35 Jahre. „Hierbei spielt vermutlich der Geldbeutel eine Rolle“, so Möller. „Jüngere Reisende buchen häufiger Billigflugreisen oder günstige Kreuzfahrten, die dann genau die typischen überfüllten Urlaubsorte ansteuern. Wer dagegen etwas mehr Geld im Urlaub ausgeben kann, entscheidet sich eher für Exklusivität statt Massentourismus.“ Und noch einen Grund kann sich Möller vorstellen: „Die Älteren waren vielleicht auch früher einfach schon mal da.“

Die Themenmappe „Overtourism“ kann hier heruntergeladen werden.

Über den Touristik Radar

Die Forschungsreihe Touristik Radar der IUBH widmet sich regelmäßig Forschungsthemen aus den Bereichen Tourismus, Hospitality und Event. Die letzten Untersuchungen befassten sich mit „Leisure Sickness“, „Medizintourismus“ sowie „Sicherheit und Haftung für Konsumenten bei der Reisewahl“.

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