Finanzen

Neuer Pulsmesser für deutsche Finanzchefs

Mit dem „CFO-Monitor“ startetet die IUBH ein Forschungsprojekt, das künftig zweimal jährlich Finanzentscheidern mittelständischer und großer deutscher Unternehmen „den Puls nimmt“.

 

Wie bewerten deutsche Finanzentscheider die aktuelle Geschäftslage ihres Unternehmens? Welche strategischen Themen waren für sie in den vergangenen Monaten am relevantesten? Und: Streben die Führungskräfte einen Arbeitgeberwechsel an? Dies sind einige der Fragen, die der CFO-Monitor künftig alle sechs Monate den Chief Financial Officers (CFO) mittelständischer und großer Unternehmen stellen möchte. Damit soll das neue Forschungsprojekt der IUBH einen Beitrag für Konjunkturprognosen in Deutschland leisten: „Finanzentscheider verantworten häufig zentrale Bereiche wie Controlling, Treasury, Risikomanagement und nicht zuletzt den Personalbereich“, erläutern Prof. Dr. Silke Jütte und Prof. Dr. Arne Schulke von der IUBH, die den CFO-Monitor initiiert haben. „Ihre Einstellung hat unmittelbaren Einfluss auf die Investitionstätigkeit und die Personalentwicklung von Unternehmen – und damit in aggregierter Sicht der deutschen Volkswirtschaft.“

CFO-Stimmungslage ist wichtiger Indikator der wirtschaftlichen Entwicklung

Für die erste Befragungsrunde im Mai und Juni dieses Jahres konnten die beiden Professoren bereits 250 CFOs gewinnen – und daraus ein interessantes Stimmungsbarometer zur wirtschaftlichen Situation Deutschlands erstellen. „Mit den Ergebnissen konnten wir zeigen, dass Finanzentscheider ihre größte Herausforderung nicht in der aktuellen Konjunkturentwicklung sehen, sondern im Fachkräftemangel“, fasst Schulke das Ergebnis zusammen. „Und trotz Zufriedenheit am Arbeitsplatz kann sich über die Hälfte vorstellen, in den nächsten Monaten einen neuen Job anzutreten.“

Weitere wichtige Ergebnisse der ersten Auflage des CFO-Monitors lauten:

  • Die Stimmung ist gut: Rund 90 Prozent der Befragten bewerten die Umsatzlage ihres Unternehmens als „sehr gut“ bis zumindest „eher gut“. Bei der Ertragslage sind dies immerhin noch rund 86 Prozent.
  • Erwartete Umsatz- und Gewinnentwicklung: Bezüglich der Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate zeichnen die befragten Finanzchefs ein positives Bild. Insgesamt 74 Prozent bzw. 73 Prozent zeigen sich zuversichtlich bezüglich der erwarteten Umsatz- und Gewinnentwicklung. Aktuelle Wirtschaftsthemen wie Sonderzölle, Iran, Brexit etc. bringen CFOs in der Mehrheit nicht um den Schlaf.
  • Wichtige Themen: Meistgenanntes neues Thema auf der strategischen Agenda der CFOs sind technologische Entwicklungen, die dem Überbegriff „Digitalisierung“ zugeschrieben werden können. Daneben stehen personalbezogene Themen weit vorne, insbesondere unter dem Schlagwort „Fachkräftemangel“ – mit besonders hohem Ausschlag im Dienstleistungssektor.
  • Auch bei der Risikoeinschätzung liegt das Thema Fachkräftemangel vorne. „Bei der gegebenen demographischen Entwicklung sehen wir daher die Frage nach einem ausreichenden und bürokratisch unkomplizierten Fachkräftezuzug aus dem Ausland als dringliches politisches Handlungsfeld“, so Schulke und Jütte.
  • Arbeitnehmerzufriedenheit: Trotz mehrheitlich hoher bis sehr hoher Zufriedenheit mit dem eigenen Job können sich mehr als 50 Prozent der Befragten vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitgeber zu wechseln. Rund 8 Prozent der Befragten haben dies sogar fest vor. Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich zudem vorstellen, innerhalb der nächsten fünf Jahre den eigenen Chef zu beerben.
  • Einschätzung zu Brexit-Folgen: Bei der Frage nach der erwarteten Brexit-Variante lautet die meistgenannte Antwort „No Deal“. Hierbei erwarten die meisten CFOs massive negative wirtschaftliche Folgen für die britische Wirtschaft.

Der CFO-Monitor soll auch den Befragten Mehrwert bieten

Mehr Transparenz über die aktuelle Wirtschaftslage schaffen, sowohl für die Öffentlichkeit als auch für die Finanzentscheider selbst – so versteht Schulke sein neues Forschungsprojekt: „In meiner früheren Rolle als CFO bei einem Sameday-Logistiker habe ich mir immer gewünscht, mehr Austausch mit Fachkollegen – vor allem anderer Branchen – zu haben. Ich bin froh, dass wir mit dem Projekt nun erheben können, was CFOs aktuell beschäftigt, welche neuen Themen sie umtreiben und welche Zukunftserwartung sie haben.“

Die erste Auflage des CFO-Monitors, der gemeinsam mit der Mittelstandsberatung Allfoye als Kooperationspartner finanziell gefördert wird, kann unter www.cfo-monitor.de sowie unter www.iubh-university.de/forschung/publikationen heruntergeladen werden. Die nächste Befragungsrunde startet Ende des Jahres. Jütte hofft, dann noch mehr Teilnehmer für die Befragung zu finden. „Wir können mit dem CFO-Monitor wichtige Trends der Wirtschaft erheben. Teilnehmende CFOs erhalten die Ergebnisse der Befragung bereits vor der Veröffentlichung und haben so einen Informationsvorsprung. Wir hoffen hier auf ein gesundes quid pro quo mit den CFOs: Sie geben uns regelmäßig einige Minuten ihrer Zeit und bekommen im Gegenzug wichtige Einblicke über viele ihrer Kollegen.“

 

Über die Autoren des CFO-Monitors

Prof. Dr. Arne Schulke verstärkt das Team der IUBH Internationale Hochschule in den Bereichen Controlling, Führung und Luftfahrt, nachdem er bereits an der Europäischen Fachhochschule Rhein-Erft (EUFH) eine Professur innehatte. Vor seinem Schritt in die Lehre arbeitete Schulke 11 Jahre bei time:matters, einem Unternehmen der Lufthansa Cargo, sowohl als CFO und später auch als COO. time:matters ist ein hoch spezialisierter Anbieter im Bereich der Special Speed Logistics, der internationale taggleiche (Sameday-) Transporte und kundenspezifische, hochsensible Transportlösungen anbietet.

Prof. Dr. Silke Jütte repräsentiert an der IUBH Internationale Hochschule das Fachgebiet Quantitative Methoden. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Operations Manager bei der Deutschen Post Consult war Jütte insgesamt zehn Jahre als Projektmanagerin und Software-Entwicklerin bei einer Kölner Unternehmensberatung für quantitative Fragestellungen in der Logistik zuständig. In diesem Zusammenhang beschäftigte sie sich insbesondere mit Fragen der Personaleinsatzplanung und Netzwerkplanung.

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