Teilzeitprofessur

„Mein virtuelles Büro hat immer geöffnet“

Im Interview mit Prof. Dr. Malte Martensen, Professor für HR Management und Organisation, über seine Teilzeitprofessur und flexible Arbeitszeitmodelle an Hochschulen

 

IUBH: Was hat Sie an einer Professur an einer Fachhochschule gereizt?

Malte Martensen: Hochschullehrer zu sein fand ich schon seit meiner eigenen Studienzeit eine tolle Vorstellung. Meiner Meinung nach haben wir als Dozenten die einmalige Chance, anderen Menschen inhaltlich und methodisch sowie kulturell und menschlich etwas mit auf ihren Weg zu geben. Damit erlebe ich meine Arbeit als sehr sinnstiftend und nachhaltig. Tatsächlich freue ich mich am Wochenende schon auf meine Vorlesungen in der nächsten Woche. Aber ich habe auch einen Riesenvorteil: Ich unterrichte mit Personalmanagement und Organisation die Fächer, die ich selbst am faszinierendsten in der BWL finde.

IUBH: Warum in Teilzeit?

Martensen: Für mich fühlt sich die Professur eigentlich gar nicht nach Teilzeit an. Meinen Studierenden sage ich, dass ich keine Sprechstunde habe, mein virtuelles Büro hat immer geöffnet. Egal ob abends oder am Wochenende, normalerweise bekommt jeder innerhalb weniger Stunden eine Antwort von mir. Es ist nun mal nicht so, dass ich den Campus verlasse und dann Feierabend habe.
Warum ich dann nicht gleich eine Vollzeit-Professur mache? Weil ich versuche, mein Tätigkeitsportfolio auszubalancieren. Dazu gehört natürlich mein Beruf als Hochschullehrer, den ich fantastisch finde. Genauso dazu gehört aber meine Arbeit als Berater, Trainer und Coach. Und natürlich möchte ich Zeit mit meiner Familie verbringen. Außerdem engagiere ich mich in der NGO Childaid Network im Bereich der beruflichen Bildung in Nordost-Indien. Auch für dieses Ehrenamt brauche ich Zeit und Muße.

IUBH: Welche Vor- und Nachteile hat eine Teilzeitprofessur für Sie?

Martensen: Meine Studierenden haben ganz klar den Vorteil, dass alles, was wir in den Vorlesungen behandeln, eine Relevanz für sie und ihre Employability hat. Manchmal komme ich gerade von einem Strategie-Workshop bei einem Kunden und bringe die Themen direkt mit in den Hörsaal. Genau das erwarten unsere Studierenden an der IUBH ja: Praxisrelevanz. Gleichzeitig nehme ich ganz viele Ideen und den Spirit der Studierenden mit in meine Projekte und Trainings. Da werde ich von meinen Kunden schon mal gefragt, was denn die Meinung der Generation Y oder Z zu einem bestimmten Thema ist.

IUBH: Werden sich Ihrer Meinung nach flexible Arbeitszeitmodelle auch an Hochschulen noch stärker durchsetzen?

Martensen: Ich glaube, dass wir im Hochschulwesen bzw. als Professoren eine Vorreiterrolle haben. Wir sind relativ frei in unseren Inhalten, Methoden und auch in unseren Arbeitszeiten und somit eigentlich der Prototyp eines Wissensarbeiters im 21. Jahrhundert. Das heißt also, wenn wir es nicht schaffen, flexible Arbeitszeitmodelle zu leben, wer dann?

 

Dr. Malte Martensen ist seit Sommersemester 2016 Professor für HR Management und Organisation für die Masterprogramme am Berliner Campus der IUBH. Nach Tätigkeiten in der Automobilindustrie und der internationalen Unternehmensberatung gründete Prof. Martensen zusammen mit einem Partner die Beratungsfirma distinctum, der er neben seiner Teilzeitprofessur weiterhin angehört. Professor Martensen arbeitet als zertifizierter Trainer und Coach und ist spezialisiert auf die Themen Change Management, HR-Strategie, Leadership und Digital Transformation.

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