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LGBTQ+-Tourismus im Fokus der Wissenschaft

IUBH-Absolventin Rebecca beschäftigte sich für ihre Bachelorarbeit mit dem Reiseverhalten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender und gibt Tipps, wie Destinationen besser auf deren Bedürfnisse eingehen können.

 

Ich heiße Rebecca, habe mein Studium an der IUBH erfolgreich abgeschlossen und lerne derzeit Arabisch im Libanon. Für meine Bachelorarbeit im Studiengang International Tourism Management habe ich zum Thema „Die Entwicklung von Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgenderreisen und wie Destinationen ihre Attraktivität für diesen Nischenmarkt steigern können“ geforscht. Da die LGBTQ+-Community als sehr reiselustig und kaufkräftig gilt, hat sich ein auf sie spezialisierter Reisemarkt entwickelt.

Für meine Forschung habe ich mehrere Interviews mit LGBTQ+-fokussierten Reiseveranstaltern in Thailand, Mexiko, den USA, Indien und Israel geführt. Darüber hinaus habe ich eine Online-Umfrage in der Community gestartet, die in den ersten fünf Stunden nach Veröffentlichung bereits mehrere Hundert Antworten ergeben hat. Die positive Resonanz zeigt, wie sehr die LGBTQ+-Gemeinde es schätzt, dass ich dieses Thema mehr in den Fokus der Wissenschaft rücke.

Hauptsache sicher: Reisen ohne Gefahr und Diskriminierung

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Der wohl wichtigste Aspekt für das Reiseverhalten der LGBTQ+-Community sind die verschiedenen Landesrechte und -vorschriften. Immerhin gilt auch heute noch in 72 Ländern jede Form von Homo- und Bisexualität als illegal – in einigen davon wird dafür sogar noch die Todesstrafe verhängt. Der Großteil der befragten Mitglieder würde niemals in ein Land reisen, in dem diskriminierende Gesetze gelten. Gesetzesänderungen wie die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe verstärken hingegen den Wunsch, bestimmte Destinationen zu bereisen. So generierten gleichgeschlechtliche Hochzeiten in New York City allein im ersten Jahr der Gesetzesänderung rund 260 Millionen US-Dollar. Von den neuen Eherechten profitiert also nicht nur die LGBTQ+-Community, sondern auch die Wirtschaft. Dennoch gibt es bisher nur 27 Länder, die gleiche Eherechte umgesetzt haben.

LGBTQ+-Events als Reise-Magnet

Meine Bachelorarbeit zeigt auch, dass LGBTQ+-bezogene Ereignisse eine sehr große Bedeutung für den Tourismussektor haben. Dazu gehören Sportveranstaltungen wie die „GayGames“ oder die „EuroGames“, LGBTQ+-Paraden oder Festivals. Diese Events ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Mehr als drei Viertel der von mir Befragten haben bereits an LGBTQ+-Veranstaltungen auf der ganzen Welt teilgenommen. Australiens „Mardi Gras“, das weltweit größte Kulturfestival für die LGBTQ+-Community, lockt jedes Jahr mehr als eine halbe Million Besucher aus aller Welt nach Sydney. Auch São Paulo in Brasilien ist ein beliebtes Reiseziel der Community: Dort findet einmal jährlich die größte Gay-Pride-Parade der Welt statt – mit mehr als drei Millionen Teilnehmern.

Top-Destinationen für Schwule und Lesben

Reiseziele, die die meisten Menschen mit der LGBTQ+-Community verbinden, sind San Francisco („Stadt, die die Schwulen erfunden hat“), Amsterdam (erste Stadt, die gleichgeschlechtliche Ehen zuließ), Fort Lauderdale (Transgender) und Berlin. Griechische Inseln wie Mykonos und Lesbos (woher der Begriff „lesbisch“ stammt) sind auch heute noch Hotspots für lesbische Reisende. Für Schwule sind Gran Canaria und Sitges die Hauptreiseziele. Schwule sind tendenziell eher darauf bedacht, sogenannte „Gay Spaces“ zu bereisen, als lesbische Paare. Lesben konzentrieren sich bei der Reiseplanung mehr auf eine entspannte, familienfreundliche Umgebung, was damit zusammenhängt, dass sie häufiger Kinder haben und weniger schnell als homosexuell erkannt werden.

Spannend für Reise-Anbieter: LGBTQ+-Tourismusmarkt wächst

Alles in allem hat meine Forschung gezeigt, dass die Nachfrage nach LGBTQ+-Tourismus in den letzten Jahren gestiegen ist, was primär mit neuen LGBTQ+-freundlichen Gesetzen zusammenhängt. Um als Reiseveranstalter die Attraktivität für LGBTQ+s zu erhöhen, sollte in erster Linie eine freundliche, schützende LGBTQ+-Politik sichergestellt werden. Darüber hinaus hat das Angebot von LGBTQ+-Veranstaltungen im Reiseland die größte Anziehungskraft innerhalb der Community. Fakt ist: Je toleranter die Gesellschaft wird, desto weniger wichtig ist eine Differenzierung beim Reisen. Da aber die Wahrscheinlichkeit, dass die LGBTQ+-Community voll akzeptiert wird, leider gegen Null geht, bleibt LGBTQ+-Tourismus auch künftig von Relevanz für den Reisemarkt.

 

Rebecca ist 22 Jahre alt und hat ihren Doppel-Bachelor in International Tourism Management an der IUBH und der ICMS in Sydney abgeschlossen. Neben dem Reisen und Sprachenlernen spielt sie in ihrer Freizeit gerne Tennis, macht Ballett, Judo und widmet sich der Fotografie. Das Thema LGBTQ+-Tourismus liegt ihr am Herzen, weil sie selbst, Freunde und Verwandte Teil der Community sind.

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