Schnee

IUBH-Studie zu Winterurlaub in Deutschland: Schnee ist nicht alles

Der Klimawandel bringt viele Änderungen mit sich, unter anderem weniger Schnee in den deutschen Mittelgebirgen. Das beeinflusst auch den Wintertourismus. Die IUBH Internationale Hochschule hat die Thematik in einer breit angelegten Studie untersucht.

 

Fast jeder Fünfte Deutsche fährt laut Statistikportal Statista gerne Ski: eine große und wichtige Zielgruppe für deutsche Touristenregionen. Doch ein gelungener Skiurlaub setzt ausreichend Schneefall voraus, und genau der macht den Mittelgebirgen aktuell zu schaffen. Galten 2007 noch 69 Prozent der Mittelgebirge als schneesicher, werden es 2050 laut dem Klimaforscher Professor Bruno Abbeg nur noch 13 Prozent sein und 2100 ist nur noch mit 3 Prozent Schneesicherheit zu rechnen. Vor allem Orte, deren Pisten unterhalb von 1.500 Metern liegen, stehen damit vor einer großen Herausforderung. Sie müssen in zukünftigen Wintersaisons eine ausreichende Schneemenge durch technische Mittel wie Schneekanonen gewährleisten – mit allen finanziellen und ökologischen Konsequenzen. Doch wie wichtig ist Schnee den Winterurlaubern überhaupt? Und wie hoch ist der Anteil derer, die bei zu wenig Schnee ihren Winterurlaub lieber woanders verbringen würden? Das hat die IUBH in einer Befragung unter Winterurlaubern untersucht. Für die Studie befragten ein Professorenteam sowie mehr als 150 Studierende aus dem Fach Tourismuswirtschaft über 1.000 Touristen in zehn deutschen Skigebieten in Mittelgebirgslage.

Nicht alle Touristengruppen verlangen Schnee

Wenig überraschend: Vor allem für Skifahrer und Snowboarder – zusammen 45 Prozent der Befragten – hat Schneesicherheit die höchste Priorität. Verblüffender ist dagegen, dass bei den anderen Gruppen – Langläufern, Schlittenfahrern und Winterwanderern – die Schneesicherheit eher eine nachrangige Rolle spielt, obwohl auch sie ihre Hauptaktivität auf Schnee ausüben. Diese drei Gruppen stellen mit 38 Prozent immerhin mehr als ein Drittel der befragten Gäste. Ebenfalls interessant: Je älter die Befragten sind, desto weniger wichtig ist der Schnee für sie.

Über die Hälfte der befragten Gäste haben während ihres Winterurlaubs eine der klassischen Wintersportdisziplinen ausgeübt – Ski Alpin, Skilanglauf und Snowboard. Schneeunabhängige Aktivitäten wie Feiern/Party mit 6 Prozent und Wellness/Sauna mit 5 Prozent spielten dagegen eine untergeordnete Rolle. Trotzdem gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass Schneesicherheit für sie keine wichtige Rolle spiele. Speziell Gäste, die im Winter bereits häufiger im Mittelgebirge waren, stuften Schneesicherheit weniger wichtig ein als die, die noch nicht so häufig diese Regionen besucht hatten. Für Stammgäste scheint demnach eine gesicherte Schneelage also nicht zwingend notwendig zu sein.

Fazit

Offenbar ist nur für Skifahrer und Snowboarder eine ausreichende Schneehöhe reiseentscheidend. Für mehr als die Hälfte aller Gäste jedoch nicht. „Für die deutschen Wintersportregionen bedeutet das, dass sie durch schneeunabhängige Alternativangebote auch weiterhin attraktive Reiseziele darstellen können“, erklärt Tourismuswirtschaftsprofessor Prof. Dr. Felix Wölfle. Das bekräftigt auch Professorin Linda Schnorbus von der IUBH: „Für die Mittelgebirgsregionen enthält unsere Studie die relativ positive Nachricht, dass der Klimawandel zumindest nicht alle Wintergäste aus den Regionen fernhalten wird.“

 

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