China

In China daheim, in Deutschland zuhause

Herausforderungen einer internationalen Karriere

Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind auch auf ausländischen Märkten aktiv und könnten daher von einem internationalen Team profitieren. Trotzdem ist es als Nicht-EU-Bürger gar nicht so einfach, einen Job in Deutschland zu finden. Sarah Chen, Absolventin der IUBH Internationalen Hochschule, hat es geschafft und hat jetzt einen Job bei einem KMU in Rheinland-Pfalz.

„Es gibt viele Gründe, Deutschland zu lieben”, sagt Sarah Chen. „Zum Beispiel seine Wirtschafts- und Innovationskraft, die erstklassige Infrastruktur, die Sprache, die hohe Lebensqualität und die freundlichen Menschen.“ Die 30-jährige Chinesin kam nach Deutschland, um hier zu studieren – und ist geblieben. Jetzt arbeitet sie bei Kumpan Electric, einem Hersteller von Elektrorollern in der Nähe von Bonn. Dort ist sie Projektmanagerin und Koordinatorin zwischen dem Tochterunternehmen in Shanghai und der Zentrale in Remagen.

Nach ihrem Master in International Management an der IUBH hätte sie auch in China einen guten Job finden können. Doch die Freunde lebten und arbeiteten längst über das ganze Land verstreut. „Das fühlte sich nicht mehr wie Zuhause an. Da dachte ich mir: in China daheim, in der Welt zuhause.“

Ausländische Absolventen als Fachkräftepotenzial für KMU

Wie Sarah möchten viele ausländische Master-Absolventen in Deutschland Berufserfahrung sammeln. Rund 80 Prozent sind es laut dem „Hochschul-Bildungs-Report 2020 – Jahresbericht 2015“ der Unternehmensberatung McKinsey und des Stifterverbandes. Doch das ist gar nicht so einfach: Gemäß der Studie ist ein Jahr nach dem Abschluss noch mehr als ein Viertel von ihnen auf Arbeitssuche. Viele fühlen sich bei KMU unerwünscht, so ein Ergebnis der Initiative „Study & Work“ des Bundeswirtschaftsministeriums und des Stifterverbands vom Mai 2017.

Auch Sarah hat sich nicht leicht getan: „Ich habe anfangs nicht viel positives Feedback von den Unternehmen bekommen. Vor allem, da ich keine Arbeitserfahrung vorweisen konnte und weder EU-Bürgerin bin noch fließend Deutsch spreche.“

Dabei stellen internationale Hochschulabsolventen laut „Study & Work“ ein bislang wenig ausgeschöpftes Fachkräftepotenzial für KMU dar. Immerhin sind nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) über 12 Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen 2017 keine deutschen Staatsbürger. Gerade KMU könnten hiervon enorm profitieren: Im Zuge der steigenden Internationalisierung der Märkte und wachsenden Exportkapazitäten für Produkte und Dienstleistungen können Mitarbeiter mit einer internationalen Biografie vielfältige Möglichkeiten eröffnen.

Career Services und Unternehmen müssen enger kooperieren

Dazu ist allerdings eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen unabdingbar: Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) empfiehlt KMU deshalb, mit den Career Centern von Hochschulen in Kontakt zu treten und zu kooperieren. Doch wie der Hochschul-Bildungs-Report feststellt, arbeiten nur 28 Prozent der Hochschulen regelmäßig mit Unternehmen zusammen. So ist es kein Wunder, dass für internationale Absolventen vor allem die Hochschulen interessant sind, die über gute Kontakte in die Wirtschaft verfügen und ihre Studierenden in hochkarätige Netzwerke einbinden.

Dazu gehört auch die Möglichkeit, Praktika bei angesehenen Unternehmen zu absolvieren, Lehrbeauftragte aus der Praxis in Seminaren über die Unternehmenswelt sprechen zu lassen und eigene Abteilungen für Absolventen und Karrierefragen zu bieten. Solche Career Services gibt es aber längst nicht an allen Hochschulen; das Matching von qualifizierten internationalen Arbeitskräften und passenden Arbeitgebern ist also nach wie vor schwierig.

Sarah hat von den Angeboten ihrer Hochschule profitiert. „Es war wirklich toll, wie stark Frau Dusel vom Career Service mich unterstützt hat. Ohne das gute Netzwerk der IUBH wäre es viel schwieriger gewesen, an Vorstellungsgespräche zu kommen“, erzählt sie. Die Leiterin des Career Services am Campus in Bad Honnef habe ihr Kontakte vermittelt, sie beraten und – das sei am allerwichtigsten gewesen – motiviert.

Mit Hochschulkontakten zum Job

Um die Studierenden beim Start in die Karriere bestmöglich zu unterstützen, werden an der IUBH bereits die Studienanfänger zu Seminaren oder Workshops rund um das Thema deutscher Arbeitsmarkt eingeladen. Der Career Service unterstützt die Studierenden und Absolventen bei allen Fragen rund um den Berufseinstieg. Mit über 2.000 Unternehmenskooperationen ist die Hochschule gut vernetzt und bietet – neben der jährlich auf dem Campus in Bad Honnef stattfindenden eigenen Karrieremesse – Studierenden die Möglichkeit, weitere Karrieremessen zu besuchen sowie potenzielle Arbeitgeber im Rahmen von Exkursionen kennenzulernen.

Der Kontakt zu Sarahs Arbeitgeber Kumpan besteht seit der Gründung 2010. „Als mittelständisches Unternehmen müssen auch wir uns mehr und mehr auf dem internationalen Markt positionieren. Daher sind Mitarbeiter mit interkulturellem Hintergrund und internationalem Studium ein großer Gewinn für uns“, erzählt Patrik Tykesson, Geschäftsführer bei Kumpan. „Dass wir mit der IUBH in Bad Honnef passende Anwärter fast vor der Haustür finden, ist ein Glücksfall.“

Auch für Sarah ist der Job bei Kumpan ein Glücksfall vor der Haustür: Liegt ihre Arbeitsstelle in Remagen doch nur knappe zehn Kilometer vom Campus in Bad Honnef entfernt. Alle drei Monate reist sie nach China, drei bis vier Geschäftsreisen pro Monat macht sie innerhalb Deutschlands. Sarah ist angekommen im deutschen Berufsleben. Und was würde sie anderen ausländischen Alumni raten, die eine Karriere in Deutschland starten wollen? „Ich glaube nicht, dass ich qualifiziert bin, hierfür Ratschläge zu geben“, lacht die hübsche junge Frau herzlich. „Aber ich bin überzeugt, dass gute Netzwerke für das Überleben in der Berufswelt essenziell sind. Frag deine Professoren, wende dich an den Career Service deiner Hochschule. Und vor allem: Verlier nie den Glauben an dich!“

 

7 Tipps für die Jobsuche:

  1. Rechtzeitig beginnen: Wer nach dem Studium in Deutschland arbeiten möchte, sollte spätestens im letzten Semester mit der Jobsuche beginnen.
  2. Überlegen, wo die eigenen Fähigkeiten liegen: Wichtige Fragen zur Selbsteinschätzung sind zum Beispiel laut DAAD:
    - Wer bin ich?
    - Was sind meine Fähigkeiten?
    - Was sind meine Ziele?
    - Was sind meine Möglichkeiten?
  3. Fremde Meinungen einholen: Man kann auch andere Menschen um eine Charakterisierung bitten. Hinterher kann man Selbst- und Fremdeinschätzung miteinander vergleichen. Das kann neue Perspektiven eröffnen.
  4. Deutsch lernen: Die Chancen auf einen Arbeitsplatz in Deutschland sind meist deutlich besser, wenn gute Deutschkenntnisse vorhanden sind. Infos zu Deutschkursen sind über die Hochschulen zu bekommen.
  5. Überall suchen: Es gibt zahlreiche Jobportale in Deutschland, u.a. Monster, StepStone oder Indeed.com. Außerdem kann man sich bei der Bundesagentur für Arbeit informieren oder Zeitungsanzeigen durchforsten.
  6. Netzwerken: In der Arbeitswelt werden gute Netzwerke immer wichtiger. Es lohnt sich, bereits vor dem Abschluss Praktika zu machen und Arbeitserfahrung zu sammeln. Denn theoretisches Wissen verbunden mit praktischer Erfahrung ist bei Unternehmen gefragt. Auch persönliche Kontakte oder solche, die der Career Service der Hochschule vermitteln kann, sowie Empfehlungsschreiben können hilfreich sein.
  7. Mit Zurückweisung umgehen lernen: Obwohl man sich nach einer Absage zunächst schlecht fühlt und denkt, dass einen niemand einstellen will, darf man nicht aufgeben. Ob jemand Erfolg hat, hängt auch davon ab, wie er mit Rückschlägen umgehen kann. Daher: Nicht aufgeben!

Mehr zu diesem Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.