Gesundheitsmanagement

Gesundheitsmanagement: Helfen im Hauptberuf

Die Gesundheitsbranche boomt – und die Anforderungen an die Bewerber steigen: Ein Duales Studium bereitet dank der Praxis­einblicke ideal auf die Karriere vor. Einblicke in den Alltag einer Studentin

 

Als sie an der Nordseeküste stand, erkannte Zlata Kenjar auf einmal, wie wichtig ihre Arbeit zu Hause in Düsseldorf ist. Ihr wehte eine frische Meeresbrise um die Ohren, hinter ihrem Rücken erhob sich das Kurzentrum Carolinensiel, das vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wird. „Ich bin dafür zuständig, die Kuren für unsere Patienten zu planen, das habe ich von Anfang an gemacht“, sagt die 24-Jährige. „Aber erst, als ich dann selbst dort in Carolinensiel stand, konnte ich mir richtig gut vorstellen, wie sie sich hier entspannen, den Alltag hinter sich lassen können.“

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© Henning Ross

Captured by Henning Ross

Jetzt sitzt Zlata Kenjar an ihrem Schreibtisch in Düsseldorf, ein paar Schritte entfernt erstreckt sich der Volksgarten. Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes ist Träger der Kureinrichtung an der Nordsee, und die Studentin hilft bei der Verwaltung mit. Wenn sie morgens ins Büro geht, sind die Flure noch verwaist – „ich fange immer gern schon um sieben Uhr an, da kann ich mich noch richtig auf die Arbeit konzentrieren, weil noch niemand anruft“, sagt sie und lacht. Einen Stapel E-Mails muss sie jeden Morgen erst einmal abarbeiten, meistens geht es um die Patienten aus der Kur. „Schauen Sie“, ruft sie und öffnet ein Computerprogramm, „hier steht alles drin: Name, Geburtsdatum, Krankenkasse, zuständiger Hausarzt. Dazu kommen die Diagnosen und alle die Erkenntnisse, die wir in unserem Vorgespräch sammeln.“ Diese Akte auf dem neuesten Stand halten, das gehört zu den zentralen Aufgaben von Zlata Kejar, denn nur so können die Ärzte in der Kurklinik eine passende Therapie für die Patienten zusammenstellen. Selbst die Belegung der 56 Appartements wird von Düsseldorf aus geplant, um den Kollegen vor Ort die Arbeit zu er- leichtern.

Die Patienten, mit denen Zlata Kenjar zu tun hat, entsprechen nicht den üblichen Klischees von betagteren Kurgästen. „Die meisten sind noch jünger. Wir sind auf Familienkurse spezialisiert“, sagt Kenjar. Wenn Mutter oder Vater zum Beispiel eine Krebserkrankung durchstanden haben und jetzt Zeit brauchen, um in der Familie wieder Kraft zu tanken, können sie das in Carolinensiel tun. Oder bei psychosomatischen Erkrankungen, wenn Eltern ihre Lebenssituation nicht meistern – in solchen Fällen können die Therapeuten an der Nordsee helfen.

„Ich habe schnell gemerkt: Duales Studium heißt auch doppelte Arbeit“

Zlata Kenjar studiert Gesundheitsmanagement an der IUBH. „Ich habe mich für ein Duales Studium entschieden, bei dem ich immer abwechselnd an der Hochschule bin und eben beim DRK“, sagt sie. Dass sie in die Gesundheitsbranche gehen würde, sei ihr schon beim Abitur klar gewesen: „Meine Mutter arbeitet in einem Altenheim. Zu schauen, wie das im Hintergrund betrieben und organisiert wird, das hat mich fasziniert.“

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„Als das Studium begann, ging es mit drei Einführungstagen los, damit wir erst einmal den Campus kennenlernen“, erinnert sie sich. Anschließend ging es für eine Woche zum DRK, auch da gab es eine Art Schnupperprogramm, damit sie sich erst einmal mit den Abläufen und den Kollegen vertraut machen konnte. „Duales Studium heißt aber auch doppelte Arbeit“, hat Zlata Kenjar rasch festgestellt: Durch die Lernphasen im Unternehmen und an der Hochschule sei eigentlich immer etwas zu tun. Monoton werde das Programm jedoch nie – allein schon deshalb, weil ihre Kommilitonen in so vielen verschiedenen Bereichen der Gesundheitsbranche tätig sind, dass jeder andere Einblicke mitbringe: „Freunde von mir arbeiten im Krankenhaus, in einer Arztpraxis, bei der Zahnärztekammer oder auch in einem Fitness-Studio und im Wellnesscenter“, sagt sie. Das Curriculum, das sie an der Hochschule durchlaufen, bereite sie auf alle diese Tätigkeiten vor – „eine vernünftige Mischung aus Betriebswirtschaftslehre und Gesundheit.“ Die Abrechnungssysteme sind ebenso Thema wie die immer wichtiger werdenden juristischen Fragen im Gesundheitswesen, und natürlich geht es auch immer wieder um medizinische Fragen. Über die menschliche Anatomie etwa hat Zlata Kenjar die Grundlagen gelernt, mit dem ICD-10-Schlüssel kann sie etwas anfangen, mit dem Ärzte ihre Diagnosen international verständlich notieren können – und wichtige lateinische Begriffe aus der Medizin hat sie auch gebüffelt, damit sie stets weiß, wovon die Ärzte gerade sprechen.

„Begriffe wie Aktiv- und Passivkonten kannte ich natürlich schon, als ich hier mit ihnen in Kontakt gekommen bin“

Am Schreibtisch beim Düsseldorfer DRK beginnt der hektischere Teil des Tags. Immer wieder klingelt das Telefon, und Zlata Kenjar muss zwischen zwei Aufgabenbereichen hin- und herspringen: Noch immer ist sie bei der Kurverwaltung eingebunden, aber allmählich wechselt sie in das Feld der ambulanten Pflege – dass sie unterschiedliche Aufgabenbereiche kennenlernt, gehört beim Dualen Studium zum Konzept. Auch bei der ambulanten Pflege, bei der sich Fachleute vom DRK um alte Patienten kümmern, ist Kenjar für die Verwaltung zuständig. „Die Buchhaltung und die Abrechnung mit der Krankenkasse erledigen wir von hier aus“, sagt sie. Und wieder einmal hat ihr dabei ihr Studium mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt sehr geholfen: „Begriffe wie Aktiv- und Passivkonten kannte ich natürlich schon, als ich hier mit ihnen in Kontakt gekommen bin“ – und so konnte sie gleich in die Arbeit einsteigen, um ihre theoretischen Kenntnisse auch in der Praxis zu erproben.

Am Nachmittag wird sie wieder einmal einen Gesprächstermin haben: Eine Patientin kommt zur Kurberatung vorbei, die Zlata Kenjar zusammen mit einer Kollegin durchführt. „Darin sprechen wir über die Beschwerden und helfen bei Bedarf mit, einen Antrag für die Krankenkasse zu schreiben“, sagt die Studentin. Alles das wird sie später in die elektronische Akte zusammenführen. Und zum Glück, sagt sie, beschränke sich ihre Tätigkeit nicht nur auf die reine Administration: Neulich zum Beispiel habe sie ein Konzept mitgestaltet, das die Kureinrichtung auch für Regenbogenfamilien interessanter machen soll. „Das finde ich ein wichtiges Thema“, sagt Zlata Kenjar, „und rein wirtschaftlich gesehen ist es für uns natürlich ein Alleinstellungsmerkmal.“

Dass sie mit ihrer Arbeit etwas Sinnvolles tut, merkt sie häufig auf dem Weg zu ihrem Postfach: Immer wieder kommen aus Carolinensiel, der Kureinrichtung an der Nordsee, Dankesschreiben an, Postkarten und manchmal sogar selbstgebastelte Geschenke. „Viele Patienten kenne ich ja noch vom ersten Gespräch hier bei uns in Düsseldorf und weiß, wie sie leiden“, sagt Zlata Kenjar. „Dann zu sehen, dass meine Arbeit ihnen wirklich hilft – das ist großartig.“

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