Ghana

Ein Obruni in Ghana

Finn studiert Betriebswirtschaftslehre an der IUBH Duales Studium. Für ein Projekt mit seinem Praxisunternehmen GEPA – The Fair Trade Company durfte er für drei Wochen nach Ghana reisen. Ein Erfahrungsbericht.

 

Im Rahmen meines dualen Studiums an der IUBH in Düsseldorf arbeite ich für die GEPA – The Fair Trade Company in Wuppertal. Die GEPA ist Europas größter Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte. Es werden sehr enge Beziehungen zu den Handelspartnern in Afrika, Asien und Südamerika gepflegt. So haben mir die GEPA und die IUBH ermöglicht, für ein Projekt für drei Wochen nach Ghana zu reisen. Der Handelspartner Serendipalm versorgt die GEPA mit zertifiziertem Fair Trade- und Bio-Palmöl, das für die Herstellung von fairen Keksen und fairer Schokolade eingesetzt wird. Mein Ziel war, die Prozesse bei der Produktion von Palmöl unter dem Aspekt der Prozessoptimierung vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auf ins Abenteuer Afrika

Nach einem Sechs-Stunden-Flug von London kam ich spät abends in Ghanas Hauptstadt Accra an. Die Nacht war sehr kurz, da ich schon früh morgens von einem Serendipalm-Mitarbeiter, der in der Hauptstadt wohnt, mit dem Auto abgeholt wurde.

Der Firmenstandort liegt in dem Dorf Asuom zwischen Accra und Kumasi. Von Accra sind es ungefähr 150 km zu Serendipalm, und meine Navigations-App versprach, dass wir innerhalb von zwei Stunden unser Ziel erreichen sollten. Als ob! Schon während wir noch im Montagmorgen-Verkehr der Stadt steckten, zeichnete sich ab, dass die Zeitangabe alles andere als realistisch war. Nach knapp drei Stunden und gut 100 km hörte die asphaltierte Straße plötzlich auf – und damit auch jegliche Verkehrsregel. Mein Fahrer fuhr nur noch in Schlangenlinien, um den zahlreichen Erdlöchern bestmöglich auszuweichen. Zu dem Geschaukel kam noch jede Menge Staub, der zum einen die Sicht einschränkte und zum anderen trotz geschlossener Fenster durch alle Ritzen in das Fahrzeuginnere gelangte. Nach vier abenteuerreichen Stunden Autofahrt kamen wir dann endlich in Asuom an – und wurden von einem wolkenbruchartigen Starkregen begrüßt. Was für eine Anreise!

Asuom: Ein belebtes Dorf mit herzlichen Einwohnern

Verglichen mit einem Dorf in Deutschland ist Asuom sehr groß und viel belebter. Es gibt ein Krankenhaus, zwei Hotels, eine Grundschule, eine weiterführende Schule und unzählige Kirchen. Als Transportmittel werden Motorräder oder die aus den Bollywood-Filmen bekannten Dreirad-Taxis genutzt. Autos sieht man hier kaum. Das Hotel, in dem ich unterkam, machte von außen einen sehr gepflegten, fast schon luxuriösen Eindruck. Das Zimmer war zwar groß, aber sehr spartanisch eingerichtet und ohne Fenster.

Die Straßen von Asuom

Die Straßen von Asuom

Die Straßen von Asuom

Auf dem kleinen Röhrenfernseher lief nur ein Programm mit kitschigen indischen Filmen mit starkem Akzent. Außerdem bin ich in Ghana nicht einmal in den Genuss gekommen, mit warmem Wasser zu duschen. In allen Hotelzimmern waren die Boiler kaputt. Warum es sich nicht lohnte, diese zu reparieren, stellte sich bald heraus: Neben mir gab es nur einen weiteren Gast, der im Hotel übernachtete.

Die Ölmühle von Serendipalm liegt laut Google Maps rund 20 Minuten Fußweg vom Hotel entfernt. Auch das war eine Zeitangabe, die sich schnell als unrealistisch herausstellte: Auf meinem Weg zur Arbeit wurde ich von allen möglichen Leuten gegrüßt und angesprochen. Die Dorfbewohner waren neugierig, was ein „Obruni“ – in der Landessprache Twi die Bezeichnung für einen Weißen – in einem ghanaischen Dorf macht. Sie waren unglaublich herzlich, haben mir Speisen angeboten, die sie an der Straße verkauften, oder mich zu sich nach Hause eingeladen. Am zweiten Tag rechnete ich diese Verzögerungen in meinen Arbeitsweg mit ein.

Palmöl aus fairen und nachhaltigen Quellen

Bei unserem Handelspartner Serendipalm wurde ich ebenfalls sehr herzlich empfangen. Die bekannte amerikanische Naturseifenmarke Dr. Bronner‘s hat das Projekt 2005 gestartet, um eine eigene Versorgung mit Palmöl aus fairen und nachhaltigen Quellen sicherzustellen. Die Palmfrüchte werden von Kleinbauern aus der Umgebung bezogen, die die Ölpalmen in nachhaltigen Mischkulturen mit beispielsweise Kakaopflanzen anpflanzen. Ich hatte die Gelegenheit, ein paar Farmer im Regenwald zu besuchen und zu interviewen. Der Weg dorthin war sehr beschwerlich: Wir sind erst mit dem Motorrad über schlechte Straßen in eine kleine Siedlung gefahren, wo di

e Farmer und ihre Familien leben. Von dort aus mussten wir mit einem kleinen Boot über einen See fahren, der sich in der Regenzeit bildet, und uns anschließend noch rund einen Kilometer durch das Dickicht schlagen.

Frauen bei der Arbeit bei Serendipalm

Frauen bei der Arbeit bei Serendipalm

Frauen bei der Arbeit bei Serendipalm

Einer der Farmer erzählte, dass sich seine Gesundheit durch den fairen Handel enorm verbessert hat, da er geschult wurde, ohne Pestizide zu arbeiten. Ein anderer Farmer äußerte sich positiv zur Investition der Fair Trade-Prämie in Projekte, die ihnen den Alltag erleichtern. So ist zum Beispiel das Boot zum Transport der Früchte vom Geld aus dem fairen Handel finanziert worden. Außerdem wurden ein Trinkwasserbrunnen und öffentliche Toiletten für die Farmer und ihre Familien errichtet. Bei der Produktion des Palmöls setzt Serendipalm vor allem auf Handarbeit, um den Frauen aus dem Dorf ein gutes und geregeltes Einkommen zu bieten, mit dem sie ihre Kinder ernähren und zur Schule schicken können. Außerdem profitieren die Frauen auch von diversen Sozialleistungen und einem kostenlosen Mittagessen.

Gastfreundschaft und kulinarische Genüsse

Die Zubereitung von Fufu

Die Zubereitung von Fufu

Während meines Aufenthalts in Ghana durfte ich auch die Stadt Kumasi besuchen und dort bei einer ghanaischen Familie wohnen. Das Zimmer habe ich mir mit dem Sohn geteilt, der mir netterweise sein Bett angeboten und selbst auf dem Boden geschlafen hat. Der Familie lag viel daran, mir möglichst viele kulinarische Spezialitäten Ghanas in kurzer Zeit zu servieren. Es war köstlich! Als ich dann am Abend nach der Toilette fragte und realisierte, dass es nur ein Plumpsklo draußen im Hof gab, wünschte ich mir, nicht so viel gegessen zu haben. Doch es nützte nichts. Todesmutig und mit Taschenlampe und Mückenspray bewaffnet machte ich mich auf den Weg in Dunkle. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Tro-Tro – ein häufig überfüllter Kleinbus, der als öffentliches Verkehrsmittel in der Stadt dient – zu weiteren Familienmitgliedern, die von meinem Besuch gehört hatten und mich gerne kennenlernen wollten. Natürlich wurde auch hier wieder fleißig gekocht. Ich durfte mich nützlich machen und bei der Zubereitung des Traditionsgerichts Fufu helfen. Das Zerstampfen von Maniok und Yams wird traditionell von den männlichen Kindern der Familie übernommen.

Eine einmalige Gelegenheit

Ich habe viel über die Kultur und die Lebensweise der Menschen in Ghana sowohl im Dorf als auch in der Stadt gelernt, neue Freunde gewonnen und die Gastfreundschaft der Ghanaer genossen. Bei Serendipalm habe ich ein junges und motiviertes Führungsteam angetroffen und war erstaunt über die vielen sozialen Projekte, die neben der eigentlichen Produktion laufen. Vor allem hat mich das Bewusstsein der Farmer zu ökologischer Landwirtschaft und fairem Handel begeistert. Ich konnte mein Projekt dort erfolgreich durchführen und ein paar Anregungen in Bezug auf Prozessoptimierungen geben.

Ich bedanke mich hiermit bei der IUBH Duales Studium Düsseldorf und der GEPA, die mir diese Reise ermöglicht haben, sowie bei Serendipalm und Dr. Bronner‘s, die alles vor Ort organisiert und sich die Zeit für mich genommen haben. Ich kann nur jedem empfehlen, solche einmaligen Gelegenheiten im Rahmen des Studiums an der IUBH wahrzunehmen.

 

Finn ist 23 Jahre alt, lebt in Wuppertal und studiert seit drei Jahren Betriebswirtschaftslehre an der IUBH Duales Studium in Düsseldorf. Vorher war er ein Jahr lang in Südafrika und hat dort einen Freiwilligendienst geleistet. In seiner Freizeit engagiert sich Finn für Flüchtlinge und fairen Handel. Außerdem reist er gerne in ferne Länder und fährt viel mit dem Fahrrad. Im Winter steht Finn gerne auf Skiern.

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