Ernährungswissenschaften

„Die beliebteste Mahlzeit an Bord der ISS ist der Garnelencocktail“

Im Interview mit Prof. Dr. Martina Heer, Professorin für Ernährungswissenschaften an der IUBH und führende Expertin für die Ernährung im Weltraum.

 

Woher kommt Ihre Begeisterung für den Weltraum? Wollten Sie als Kind Astronautin werden?

Prof. Dr. Martina Heer: Nein, tatsächlich hat sich das durch einen Zufall ergeben. Ich habe als studentische Hilfskraft für die Abteilung Unterwassermedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Probanden bei Tieftauchexperimenten mit passender Kost unterstützt, um sie gesund zu halten. Dann kam die Anfrage, bei einer Analogstudie für physiologische Veränderungen im Weltraum mitzumachen. Dabei simuliert man die Auswirkungen eines Aufenthalts im Weltraum hier auf der Erde. Und so habe ich für diesen Bereich Feuer gefangen.

Wie muss man sich das Essen für Astronauten vorstellen? Man denkt ja oft, es wäre Flüssignahrung.

Heer: Die Mahlzeiten werden denen auf der Erde so ähnlich wie möglich gestaltet. Es gibt zum Beispiel Rührei oder Ratatouille – inzwischen über 600 verschiedene Produkte. Das beliebteste Produkt an Bord der Raumstation ISS ist allerdings der Garnelencocktail. Im All schmeckt Essen etwa so, als ob man eine Erkältung hätte: Da man weniger schmeckt, bevorzugt man würzige Speisen.

Worauf muss man bei der Ernährung im Weltraum sonst achten?

Heer: Wichtig ist vor allem, dass die Nahrung absolut keimfrei ist. Denn es wäre das Schlimmste, wenn die Mission abgebrochen werden müsste, weil ein Astronaut eine Lebensmittelvergiftung hat. Daher gibt es Essen nur gefriergetrocknet oder aus der Dose. Außerdem muss der Nahrung Vitamin D zugesetzt werden, Eisen darf dagegen nicht zu viel enthalten sein. Der Stoffwechsel funktioniert dort oben aufgrund der Umweltbedingungen ein wenig anders.

Befasst sich der Studiengang Ernährungswissenschaften an der IUBH auch an der ein oder anderen Stelle mit Weltraumnahrung?

Heer: Ich denke, das wird sich vor allem in den Projekt-, Bachelorarbeiten und Vertiefungskursen niederschlagen. Die Weltraumforschung kommt ja nicht nur den wenigen Astronauten im All zugute. Wir nutzen die Schwerelosigkeit auch, um physiologische Prozesse auf der Erde besser zu verstehen oder besser therapieren zu können.

Was macht den Studiengang Ernährungswissenschaften an der IUBH spannend?

Heer: Wir vermitteln unseren Studierenden alles, was aktuell auf dem Markt der Ernährungswissenschaften relevant ist. So verschaffen wir ihnen eine optimale Ausgangsposition für ihre Karriere. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Qualitätsmanagement und Ernährungsberatung.
Unsere Studierenden sammeln im Studium das nötige Wissen, um sich für den Zertifizierungskurs zum Ernährungsberater/DGE bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) anzumelden, ohne weitere Kurse absolvieren zu müssen. Und zwar unabhängig davon, für welchen Schwerpunkt sie sich entschieden haben. Das hält ihnen alle Möglichkeiten offen, falls sie sich später nochmal umorientieren wollen.

Gesunde Ernährung ist derzeit Trend. Wie hat sich das Fach entwickelt?

Heer: Das Fach erfährt inzwischen mehr Akzeptanz als zu meinen Studientagen. Das Thema Ernährung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen, insbesondere bei älteren Menschen, wird immer relevanter. Damit in Zusammenhang stehen auch die Themen Allergien und Lebensmittelintoleranzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor, bis 2030 das Healthy Aging, also das gesunde Altern zu untersuchen, da die Bevölkerung weltweit ja immer älter wird. Dabei geht es darum, die Menschen so lange wie möglich gesund und fit zu halten. Um in diesem Bereich zu forschen, hat sich die WHO nun auch mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA zusammengetan. Zudem setzen sich die Hochschulen inzwischen auch kritisch mit den in der Laienpresse, auf Blogs oder von Influencern propagierten Ernährungstrends auseinander.

Für wen eignet sich der Studiengang?

Heer: Der Studiengang ist naturwissenschaftlicher als man denkt. Daher sollte man ein naturwissenschaftliches und medizinisches Interesse mitbringen. Abgesehen davon ist die Eignung davon abhängig, in welchem Bereich man später arbeiten möchte: Für die Ernährungsberatung ist Kommunikationsfähigkeit wichtig, im Qualitätsmanagement muss man sich auf jeden Fall für Dokumentation begeistern.

 

Prof. Dr. Martina Heer ist Studiengangsleiterin für den Bachelor Ernährungswissenschaften (B.A.) an der IUBH Fernstudium. Sie forscht seit 1992 zur Ernährung der Astronauten im All zunächst am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, später an der Universität Bonn. Sie ist führende Expertin auf ihrem Gebiet und hat den Vorsitz der Internationalen Gesellschaft für Gravitationsphysiologie inne.

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