Brexit

CFO-Monitor: Deutsche Finanzchefs erwarten „No Deal“-Brexit

Das IUBH-Forschungsprojekt CFO-Monitor befragt in seiner ersten Auflage deutsche Finanzentscheider nach ihrer Einschätzung zum Dauerbrennerthema Brexit.

 

Schon seit 2016 befasst sich die Politik in Europa mit der geplanten Scheidung der Briten von der Europäischen Union. Auch nach dem eigentlich geplanten Scheidungstermin im Frühjahr dieses Jahres und der Fristverlängerung bis Ende Oktober bleiben alle Möglichkeiten eines Austritts offen, vom „No Deal“-Brexit bis hin zum Rücktritt vom Austritt. Doch deutsche Finanzchefs halten inzwischen die ungeordnete Austrittsvariante für die wahrscheinlichste – das ergab die neue IUBH-Studie CFO-Monitor unter rund 250 Chief Financial Officers (CFO) mittelständischer und großer Unternehmen in Deutschland.

Die CFO-Einschätzung zum Brexit ist überwiegend kritisch

Im aktuellen IUBH-Forschungsprojekt wurden deutsche Finanzentscheider im Mai und Juni dieses Jahres zur Relevanz des Themas für ihr Unternehmen, zu Brexit-bezogenen Maßnahmen und der wahrscheinlichsten Austrittsvariante befragt. „Dass Deutschlands Finanzentscheider inzwischen den ‚No Deal‘ als die wahrscheinlichste Variante ansehen, hat uns schon sehr überrascht“, kommentiert Prof. Dr. Silke Jütte, die gemeinsam mit Prof. Dr. Arne Schulke den CFO-Monitor initiiert hat. „Das zeigt deutlich, dass die CFOs kein Vertrauen mehr in die Fähigkeit der Politik haben, bei diesem Thema noch zu tragfähigen Kompromissen zu kommen.“

Relevanz und Maßnahmen: So bereiten sich CFOs auf den Brexit vor

Die wichtigsten Ergebnisse der ersten Auflage des CFO-Monitors zum Sonderthema Brexit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Ausgang der Verhandlungen: Knapp ein Drittel der Befragten erwartet einen „No Deal“-Austritt ohne vorheriges Austrittsabkommen. Ein Viertel der Befragten glaubt an einen neu verhandelten Deal, gerade einmal 20% geben dem bereits ausgehandelten Deal noch eine Chance und mit 18% noch weniger erwarten einen Rücktritt vom Brexit.
  • Vorbereitungsmaßnahmen: „Der Brexit wird nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaft bleiben, immerhin ist das Vereinigte Königreich Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner“, gibt Schulke zu bedenken. Daher haben Jütte und er auch die Vorbereitungsmaßnahmen abgefragt. Hier gab die Mehrheit (79%) der Befragten an, für den Brexit bereits Maßnahmen getroffen zu haben. Die meistgenannte Vorbereitungsmaßnahme lautete Konzentration auf alternative Märkte – „dies ist eine Reaktion, die die Sorgen um eine nachhaltige Beeinträchtigung der britischen Wirtschaft berechtigt erscheinen lassen“, so Jütte. Erhöhung der Lagerhaltung, interne organisatorische Maßnahmen, Erhöhung finanzieller Rücklagen und proaktive Preisanpassungen wurden ebenfalls häufig genannt.
  • Unmittelbare Folgen: Mit rund zwei Dritteln sieht die Mehrheit der befragten Finanzchefs die Folgen des Brexits für das britische Königreich negativ bis sehr negativ. Rund 15% erwarten sogar eine schwere Wirtschaftskrise mit einem Absinken des britischen BIP um mehr als 10%.
  • Langfristige Folgen: Auch halten es gut zwei Drittel der Befragten in verschiedenen Graden für wahrscheinlich, dass die Briten nicht als einzige die EU verlassen.
  • Relevanz für das eigene Unternehmen: 54% der befragten Finanzentscheider messen dem Brexit aus Sicht ihres Unternehmens niedrige bis gar keine Relevanz bei. Für immerhin ein Viertel der Unternehmen hat der Brexit jedoch hohe oder sehr hohe Relevanz – besonders betroffen ist hierbei das verarbeitende Gewerbe.

„Interessanterweise sieht fast die Hälfte der Befragten, trotz der überwiegend negativen Einschätzung über die Folgen, den Brexit als ‚richtig’ für das britische Volk an“, kommentiert Arne Schulke das Ergebnis. „Dies kann einer gewissen Genervtheit gegenüber dem Thema entspringen, wie ein Kommentar eines CFOs zum Thema gut widerspiegelt: ‚Mir egal welcher Brexit, aber bitte gestern. ’“

Der erste CFO-Monitor steht ab sofort zum Download bereit

Die erste Auflage des CFO-Monitors, der gemeinsam von der IUBH und der Mittelstandsberatung Allfoye als Kooperationspartner finanziell gefördert wird, kann unter www.cfo-monitor.de oder www.iubh-university.de/forschung/publikationen/ heruntergeladen werden. Jede Ausgabe des Monitors beschäftigt sich neben den „Top Ten“-Fragen zu Geschäftslage, Strategien und Risikobewertung mit einem Sonderthema, das die Teilnehmer im Vorhinein auch selbst bestimmen können – in der ersten Auflage wurde die Einschätzung zum Thema Brexit erhoben.

Über die Autoren des CFO-Monitors

 

Prof. Dr. Arne Schulke verstärkt das Team der IUBH Internationale Hochschule in den Bereichen Controlling, Führung und Luftfahrt, nachdem er bereits an der Europäischen Fachhochschule Rhein-Erft (EUFH) eine Professur innehatte. Vor seinem Schritt in die Lehre arbeitete Schulke elf Jahre bei time:matters, einem Unternehmen der Lufthansa Cargo, sowohl als CFO und später auch als COO. time:matters ist ein hoch spezialisierter Anbieter im Bereich der Special Speed Logistics, der internationale taggleiche (Sameday-) Transporte und kundenspezifische, hochsensible Transportlösungen anbietet.

 

 

Prof. Dr. Silke Jütte repräsentiert an der IUBH Internationale Hochschule das Fachgebiet Quantitative Methoden. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Operations Manager bei der Deutschen Post Consult war Jütte insgesamt zehn Jahre als Projektmanagerin und Software-Entwicklerin bei einer Kölner Unternehmensberatung für quantitative Fragestellungen in der Logistik  zuständig. In diesem Zusammenhang beschäftigte sie sich insbesondere mit Fragen der Personaleinsatzplanung und Netzwerkplanung.

 

 

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