Agil oder klassisch – welche Führung passt zum Unternehmen?

Nicole Kluwe ist Trainerin für die Bereiche Führung, Vertrieb und Kommunikation bei PROAKTIV und erarbeitet dort mit Führungs- und Vertriebskräften individuelle Lösungen. Im Interview spricht sie darüber, was Agile Leadership bedeutet, warum es nicht für jedes Unternehmen die richtige Wahl ist und was Teilnehmer ihrer Workshops lernen können.

 

Nicole, beschreibe doch bitte Deine Arbeit bei PROAKTIV und was Dir daran am besten gefällt.

Meine Arbeit bei PROAKTIV bedeutet dauerhaftes Lernen. Das ist ganz toll. Ich habe in den vergangenen Jahren unheimlich viele verschiedene Menschen mit den unterschiedlichsten Backgrounds kennengelernt. So konnte ich mir Eindrücke von ganz unterschiedlichen Firmen und Bereichen machen. Gleichzeitig erarbeite ich mit meinen Teilnehmern ganz individuelle Lösungen und Ideen, damit sie als Führungs- oder Vertriebskräfte noch besser aufgestellt sind. Durch den sehr hohen Praxisanteil in unseren Trainings werden die Teilnehmer intensiv mit eingebunden. Mir gefällt, dass das, was wir trainieren, funktioniert! Und dass wir es auch selbst leben – quasi aus der Praxis für die Praxis.

Du beschäftigst Dich nicht nur mit agiler, sondern auch mit klassischer Führung. Warum legst Du auf beides Wert?

Nicht zu jedem Unternehmen und zu jedem Team passt die agile Führung. Wenn man sich einmal anschaut, wo die agile Führung eigentlich herkommt, so kann man hier Start-ups oder IT-Unternehmen benennen. Warum sind diese eher agil aufgestellt? Weil sie flexibel und schnell auf Marktgegebenheiten reagieren wollen. Weil sie schneller als andere Unternehmen sein wollen, wenn es um Anpassungen und Fehlerkorrekturen geht. Mir ist es wichtig, bei den Kunden herauszufinden, welcher Führungsstil bei ihnen derzeit gelebt wird und wie sie zukünftig agieren wollen. Macht agile Führung Sinn oder ist das Unternehmen klassisch besser aufgestellt? Manchmal ist es auch sinnvoll, nur einzelne Bereiche agil aufzustellen und andere klassisch zu lassen. Wichtig dabei ist, dass Agilität nicht von heute auf morgen eingeführt und gelebt werden kann. Das ist ein langwieriger Prozess und es gilt dabei, diverse Fragen für sich und sein Unternehmen/Team zu beantworten.

Wie würdest Du Agile Leadership für jemanden erklären, der noch gar nicht mit Führungskräftetraining in Berührung gekommen ist?

Statt Entscheidungen von oben zu treffen, werden beim Agile Leadership die Entscheidungen im Team, mit dem Kunden und dort getroffen, wo auch die schnellste Umsetzung erfolgen kann.
Die Mitarbeiter arbeiten selbstständig in selbstorganisierten Teams. Sie haben eine hohe Eigeninitiative und einen intensiven Austausch. Der Vorgesetzte wird eher zum Sparringspartner.
Der Blick geht nach außen, zum Kunden, nicht nach innen. Dabei wird auch eine gewisse Fehlerkultur gelebt. Statt Fehler im Vorfeld zu vermeiden, gilt es im Agile Leadership, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen.

Was sind die Vor- oder auch Nachteile von Agile Leadership gegenüber klassischer Führung?

Vorteile sind sicherlich eine schnellere Umsetzung von Aufgaben, Themen oder Produkten. Auch wird durch die agile Führung die Zusammenarbeit der Mitarbeiter gefördert und gefordert. Durch selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Arbeiten erhöht sich bei den Mitarbeitern die Motivation und die Verbindung zum Unternehmen. Handlungen, Verfahren und Vorgehensweisen werden transparenter.
Welche Nachteile gibt es? Es kann zur Überforderung der Mitarbeiter führen. Es fehlen die Leitplanken von oben, die Sicherheit geben. Dadurch werden die Ansprüche an die Mitarbeiter höher und nicht jeder Mitarbeiter ist dem gewachsen. Manche Mitarbeiter haben auch das Gefühl, dass ihrer Arbeit die Planbarkeit fehlt. Was heute gut und richtig war, kann morgen schon ganz anders aussehen. Und für die Vorgesetzten bedeutet es, dass sie loslassen müssen. Nicht mehr alles kontrollieren und vorgeben, sondern Vertrauen in die Mitarbeiter haben und eher als Korrektiv agieren. Nicht jeder Vorgesetzte kann das.

Was können Teilnehmer Deiner Workshops mitnehmen?

Die Erkenntnis, dass wir alle gerne in der klassischen Denkweise agieren und erst durch Bewusstmachung dieser Tatsache auch in der Lage sind, im agilen Kontext miteinander zu agieren.
Sie können mitnehmen, was die agile Denkweise „Fail fast and learn“ in der Praxis bedeutet.
Und sie haben eine Idee, ob Agile Leadership bei ihnen im Unternehmen funktionieren würde oder nicht.

 

Nicole Kluwe ist 48 Jahre alt und kommt aus Bonn Bad Godesberg. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Lehre zur Bürokauffrau in der mittleren Datentechnik. Anschließend arbeitete sie im Kundendienst und internationalem Vertrieb, teilweise als Abteilungsleiterin. Sie machte einen Ausbilderschein für Bürokaufleute und eine Ausbildung zur Demografie-Beraterin und ging schließlich in die Selbstständigkeit, wo sie diverse Start-up-Unternehmen im Bereich Marketing und Vertrieb betreute. Ihre Trainerlaufbahn bei PROAKTIV begann 2012.

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